Schlaf-Trend "Co-Sleeping": Eltern und Kinder gemeinsam im Familienbett
Text: O. K. (Vater) / Letzte Aktualisierung: 15.08.2025
Lauscht man den Gesprächen der Eltern in Krabbelgruppen und Kindergärten oder wirft einen Blick auf die Titelblätter von Familienmagazinen, scheint der Schlaf-Trend Co-Sleeping allgegenwärtig zu sein. Dahinter verbirgt sich allerdings nichts anderes, als dass sich Eltern und Kinder ein großes Familienbett teilen. In anderen Kulturen wie Asien, Afrika oder Lateinamerika ist das seit Generationen üblich. Hierzulande ist Co-Sleeping hingegen ein recht neuer Trend, der nach Meinung von Kinderärzten und Psychologen Vorteile bietet, aber durchaus auch Risiken mit sich bringt. Welche das sind und wie Sie das perfekte Bett für die ganze Familie finden, lesen Sie hier.
Was ist eigentlich Co-Sleeping?
Für alle Erziehungstrends gibt es neumodische Begriffe, das ist auch bei dem Teilen eines großen Familienbetts zum Schlafen, Kuscheln und Toben nicht anders. Genau das verbirgt sich nämlich hinter Co-Sleeping oder auch Bedsharing. Früher war es auch bei uns in Deutschland ganz selbstverständlich, Neugeborene und Kleinkinder zum Schlafen mit ins große Familienbett zu nehmen. Oft aus Platzgründen, weil der Wohnraum zu klein war, um jedem Kind einen eigenes Bett bieten zu können. Aber auch aus praktischen Gründen, weil Mütter ihre Kinder so während der Nacht stillen konnten und man sie darüber hinaus besser vor Gefahren schützen konnte.
Mit zunehmendem Wohlstand und größerem Wohnraum endete in westlichen Kulturen das gemeinsame Schlafen im großen Bett. Für viele Eltern war es wichtiger, dass ihre Kinder möglichst früh selbstständig werden, wozu eben auch gehört, dass sie schon als Säuglinge ans eigene Bett gewöhnt werden. Von den USA aus geht nun der Co-Sleeping-Trend um die Welt, mit dem es wieder andersherum laufen soll: Babys und Kleinkinder sollen nachts wieder mit im Elternbett schlafen. Das soll heute, wo die Zeit für Spielen und Kuscheln aufgrund des Berufs oft knapp ist, die Eltern-Kind-Bindung stärken und allen einen besseren Schlaf bescheren.
Lesen Sie dazu auch: Kind schläft nachts im Elternbett
Welche Vor- und Nachteile bietet das Schlafen im Familienbett?
Bei Kinderärzten und Psychologen sorgt das Thema Schlafen im gemeinsamen Familienbett für gespaltene Meinungen. Die einen sind große Befürworter des Co-Sleepings bzw. Bedsharings, die anderen betonen die damit verbundenen Risiken und raten eher davon ab. Wirft man einen Blick auf die Forschung, kann das Teilen des Betts viele Vorteile mit sich bringen, sofern sich Eltern über die Risiken bewusst sind und diese durch richtiges Verhalten so klein wie möglich halten.
Was für das Familienbett spricht
Für gemeinsames Kuscheln und Schlafen im Familienbett spricht die stärkere emotionale Bindung zwischen Eltern und Kindern und die Reduzierung von Stress. Verschiedene Untersuchungen konnten belegen, dass besonders Kinder zwischen 3 und 8 Jahren beim Co-Sleeping einen niedrigeren Cortisolspiegel haben und besser und tiefer schlafen. Andere Studien haben gezeigt, dass Co-Sleeping das Risiko für den plötzlichen Kindstod bei Säuglingen (SIDS) senken kann, da sich Atmung, Herzfrequenz und Temperatur des Kindes besser regulieren. Positiv soll sich das gemeinsame Schlafen im Elternbett auch auf das Selbstbewusstsein und die emotionale Gesundheit der Kinder im späteren Alter auswirken. Lesen Sie dazu auch: Wie Babys schlafen lernen
Was gegen das Familienbett spricht
Neben den positiven Studien gibt es auch negative Stimmen. Einige Forscher bemängeln, dass Kinder beim Co-Sleeping tendenziell kürzer schlafen oder ein gestörtes Schlafmuster haben. Andere sprechen von einer Erhöhung des SIDS-Risikos bei Co-Sleeping bzw. Bedsharing, allerdings hängen die Fälle häufig mit unsicheren Bedingungen (Rauchen oder unter Alkohol- oder Medikamenteneinfluss stehende Eltern) zusammen. Auch die Wahl und Ausstattung des Bettes ist wichtig, um Risiken beim Schlafen gering zu halten. Ungünstig für Co-Sleeping sind z. B.:
- Wasserbetten (zu weiche und instabile Oberfläche)
- Weiche Matratzen (können Babys einsinken lassen)
- Betten mit Lücke oder Besucherritze (können Babys einklemmen)
- Schwere Decken und Kissen (Gefahr für Überhitzung und Ersticken)
Wie sieht das ideale Familienbett aus?
Das ideale Familienbett ist stabil gebaut, bequem und bietet genügend Platz für die ganze Familie. Welche Größe braucht man aber konkret für vier Personen? Und was ist besser: Holzbett oder Boxspringbett? Dies und mehr klären wir im Folgenden:
Die Größe
Das Familienbett soll gemütlich sein, damit sich niemand durch das gemeinsame Schlafen eingeengt fühlt. Schlafexperten empfehlen 70 bis 90 cm Breite pro Person. Bei vier Personen (2 Eltern, 2 Kinder) müssten Sie demnach ein Bett mit einer Größe von 280 x 200 cm oder 300 x 200 cm anschaffen. Wenn der Platz vorhanden ist, gibt es auch noch größere Familienbetten mit einer Breite von 4 Metern oder mehr. In vielen Wohnräumen lässt sich aber ein derart großes Bett nicht aufstellen. Sind Ihre Kinder klein oder haben Sie nur ein Kind, kann auch ein Standardmaß wie 220 x 200 cm oder 240 x 200 cm ausreichend sein. Wichtig ist, dass das Kind nicht zwischen Ihnen eingeengt wird.
Was die Höhe des Familienbetts betrifft, sind niedrige Betten mit 30 bis 40 cm die ideale Wahl. Hier ist das Risiko für Verletzungen beim versehentlichen Herausfallen oder bei Stürzen durch wildes Toben am geringsten. Auf ein höheres Bett wie zum Beispiel ein Boxspringbett verzichten müssen Sie deshalb aber nicht. Für diese gibt es Bettgitter als Rausfallschutz zum Nachrüsten. Mit dem zusätzlichen Schutz sind Sie auf der sicheren Seite und können beruhigt mit Ihren Kindern im gleichen Bett schlafen.
Das Bettmodell
Ob Sie sich für ein Futonbett, ein klassisches Bett mit Massivholzrahmen oder ein Boxspringbett entscheiden, hängt in erster Linie von Ihren persönlichen Vorlieben ab.
Futonbetten
Bevorzugen Sie ein minimalistisches und kostengünstiges Familienbett, ist das japanische Futon eine gute Wahl. Durch seine geringe Höhe ist das Risiko für Stürze gering. Jedoch macht das den Ein- und Ausstieg auch beschwerlich. Solange Sie jung und fit sind, ist das kein Problem. Im Alter oder bei Rückenbeschwerden kann das Futon allerdings zur echten Herausforderung werden. Ein weiterer Minuspunkt: Es gibt bei Futonbetten in der Regel keinen Bettkasten, den Sie als zusätzlichen Stauraum für Bettzeug und andere Dinge nutzen könnten.
Massivholzbetten
Haben Sie mehr Budget für Ihr Familienbett zur Verfügung, ist ein Bett mit massivem Holzrahmen und stabilen Lattenrosten eine gute Wahl. Die Betten bestehen in der Regel aus Laubholz wie Eiche oder Buche und sind in vielen Fällen modular aufgebaut, sodass sie sich bei Bedarf erweitern oder auch verkleinern lassen. Durch das Holz sind sie langlebig, lassen sich einfach reinigen und sind extrem robust, halten somit auch problemlos herumspringenden Kindern stand und bieten mit den richtigen Matratzen und Lattenrosten ausgestattet hohen Komfort.
Boxspringbetten
Den höchsten Komfort für Sie als Eltern bieten ohne Zweifel Boxspringbetten. Sie sind weich und haben eine angenehme Höhe zum Ein- und Aussteigen. Damit sie sich als Familienbett eignen, muss aber die Qualität stimmen. Familienbett-Experten empfehlen Boxspringbetten mit stabiler Massivholzbox, die beim Spielen der Kinder einiges mitmacht und im Idealfall zusätzlichen Stauraum bietet. Mit einem weichen und hohen Kopfteil sowie komfortablen Extras wie einer motorisierten Verstellung sind die Betten das Nonplusultra für Familien, die es gemütlich lieben.
Metallbetten
Je nach Einrichtungsstil kann auch ein Bett mit Metallrahmen eine Lösung für ein Familienbett sein. Der Vorteil ist, dass die Reinigung bei Kleckereien wie beim Futon- oder Massivholzbett wenig aufwendig ist, allerdings ist der Komfort durch den doch eher kühl wirkenden Metallrahmen auch sehr begrenzt. Zudem ist das Risiko für Verletzungen auch deutlich höher, vor allem bei Modellen mit Metallgestängen, zwischen denen sich Kinder mit ihren Köpfen einklemmen können.
Übrigens:
Wenn Sie handwerklich begabt sind und es sich zutrauen, können Sie Ihr Familienbett auch einfach selbst bauen. Der Vorteil: Sie können sich Ihr Traumbett mit individuellen Maßen bauen und bei günstigem Einkauf von Materialien oder der Nutzung von recyceltem Holz Geld sparen. Allerdings sollten Sie den Aufwand nicht unterschätzen. Möchten Sie es dennoch versuchen, finden Sie im Netz viele DIY-Anleitungen für Familienbetten, mit denen Sie direkt loslegen können.
Die Ausstattung
Bei der Wahl von Lattenrost, Matratze und Topper sind Sie grundsätzlich frei das zu wählen, was für Sie am bequemsten ist. Wenn Sie jedoch einzelne Matratzen nutzen und sich so eine Ritze ergibt, sollten Sie darüber einen einteiligen Topper legen oder einen sogenannten Besucherritzenkeil nutzen, der diese Gefahrenstelle schließt.
Wenn Säuglinge und kleine Kinder mit im Familienbett schlafen, sollten große Kissen und schwere Oberbetten zur Sicherheit draußenbleiben. Die Kleinen schlafen besser und sicherer in einem Babyschlafsack.
Ganz wichtig: Achten Sie auf eine gesunde Temperatur im Schlafzimmer. 16 bis 18 Grad gelten als optimal für Kinder.
Co Sleeping ist doch nicht das richtige für Sie? Natürlich erfahren Sie bei uns auch worauf man beim Kauf eines Kinderbett bzw. Babybett achten sollte.
Quellenangabe und weiterführende Informationen:
- Auch auf der Webseite der Krankenkasse DAK werden die Vor- und Nachteile des Co-Sleepings ausführlich diskutiert: https://www.dak.de/.../co-sleeping-mit-kind-im-elternbett_19282
- Auf https://www.yakbett.de/shop/boxspringbett/200x220/ werden die Vorteile eines Boxspringbett als Familienbett ausführlich erläutert. Eine Grafik erklärt die Kosteneffizienz von so einem hochwertigen Bett.
- Im Forum des Babynahrung Herstellers Hipp diskutieren Eltern, ob ein Baby im Elternbett schlafen sollte. Hier werden die verschiedenen Ansichten zum Thema sehr deutlich:
https://www.hipp.de/forum/viewtopic.php?t=73361