Montessorischulen in Deutschland

Unterricht an einer Montessorischule
Die Freiarbeit ist ein wichtiger Bestandteil des Schultages an
Montessorischulen - Foto: © Tatyana Gladskih

Inhaltsverzeichnis dieses Artikel:

Was ist eine Montessorischule?

Die Italienerin Maria Montessori gilt als Begründerin der Montessori-Pädagogik, die ein Bildungskonzept beinhaltet, das sich an Kinder und Jugendliche vom Kleinkindalter bis hin zum jungen Erwachsenenalter richtet.

Das Grundkonzept richtet sich nach dem Prinzip des Kindes als "Baumeister seines Selbst" aus und basiert daher zum großen Teil auf offenem Unterricht und Freiarbeit. Der wichtigste Leitsatz der Montessori-Pädagogik lautet daher "Hilf mir, es selbst zu tun." Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass Lehrer und Erzieher durch Beobachtung des Kindes erkennen sollen, wie sie seinen Lernprozess am besten fördern können.
[Mehr über die Montessori-Pädagogik]

Konzept der Montessorischulen

Das Montessorikonzept wird häufig als Philosophie verstanden, in der das Kind und seine Individualität den Mittelpunkt bilden. Daher konzentriert sich die Pädagogik voll und ganz auf das einzelne Kind aus. Jedes Kind wird als vollwertiger Mensch angesehen, der seinen Willen entwickeln und Raum für freie Entscheidungen haben soll. Für die Erzieher und Lehrer einer Montessori Schule kommt es vor allem darauf an, dem Kind bei diesem Prozess zu helfen und sein selbstständiges denken und handeln zu fördern. Jedes Kind muss außerdem die Gelegenheit haben, seinem eigenen Lernbedürfnis zu folgen. Denn nach dem Montessorikonzept wird davon ausgegangen, dass Kinder nicht irgendetwas lernen wollen, sondern immer etwas ganz bestimmtes zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt. Ein Grundpfeiler des Montessorikonzepts ist es außerdem, Schwierigkeiten überwinden zu lernen, anstatt ihnen auszuweichen.

Wie wird hier unterrichtet?

Freiarbeit steht im Vordergrund des Unterrichts in einer Montessorischule. Das bedeutet, dass die Kinder selbst entscheiden, womit sie sich wann beschäftigen möchten. In Deutschland werden an den meisten Montessorischulen die ersten zwei bis drei Unterrichtsstunden des Tages für die Freiarbeit eingeplant. Bei dieser Form des Unterrichts entscheiden sich die Kinder für ein Angebot aus den zur Verfügung gestellten Arbeitsmitteln und Aufgaben aus den unterschiedlichsten Themengebieten. Nach der großen Pause, die sich an diese erste Phase des Schultages anschließt, folgt in der Regel der sogenannte gebundene Unterricht. Bestimmte Themen aus den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch, Sachkunde, Religion, Sport, Musik und Kunst werden bearbeitet. Zum gebundenen Unterricht gehören auch Leistungskontrollen und Hausaufgaben. Allerdings gibt es an den meisten Montessorischulen bis mindestens zum vierten Schuljahr keine Noten, sondern informative Beurteilungen. An vielen Schulen nimmt auch die Projektarbeit einen großen Stellenwert ein. Diese Form des Unterrichts kann sowohl während der Freiarbeit als auch im gebundenen Unterricht stattfinden. Dies variiert von Schule zu Schule und richtet sich nicht zuletzt auch nach dem jeweiligen Projekt.

Was unterscheidet eine Montessorischule von einer normalen Schule?

An einer Montessorischule werden im Unterschied zu einer "normalen" Schule Kinder mit und ohne Lernbehinderung aufgenommen. Es handelt sich folglich um eine integrative Schulform. Während der Freiarbeit in den ersten Stunden des Schultages werden in der Regel altersgemischte Gruppen zusammengestellt, während der gebundene Unterricht an Altersstufen orientiert durchgeführt wird. Während der Freiarbeitsphase finden sich folglich Kinder aus den Klassenstufen eins bis vier zusammen, bzw. bei weiterführenden Schulen Schüler entsprechend höherer Klassenstufen. Ein weiterer Unterschied ist die Form der Leistungsbeurteilung, die an den meisten Montessori Schulen bis mindestens zur vierten Klasse ohne Noten auskommt. Bis zur achten Klasse gibt es vielfach einen ausführlichen Lernentwicklungsbericht anstelle eines Zeugnisses mit Noten. Vielerorts gibt es allerdings lediglich eine Montessori Grundschule. Im Anschluss an die vierte Klasse müssen die Schüler auf eine staatliche Schule wechseln, wobei der Übergang in den meisten Fällen ohne größere Probleme klappt. [Probleme beim Schulwechsel] Das Abitur kann bundesweit nur an sehr wenigen Montessorischulen abgelegt werden, da es nur äußerst wenige Gymnasien gibt und auch Gesamtschulen, die das Montessori-Konzept übernommen haben und eine gymnasiale Oberstufe anbieten, sind nur selten zu finden. An einigen staatlichen Schulen gibt es allerdings Montessori-Zweige oder -Klassen.

Maria Montessori - Begründerin der Montessori-Pädagogik

Die Begründerin der Montessori-Pädagogik war Maria Montessori, eine italienische Ärztin, Philosophin und Pädagogin, die vom 1870 bis 1952 gelebt hat. Schon früh erkannte die gläubige Katholikin, dass die Versorgung und Behandlung geistig behinderter Kinder in Italien sehr vernachlässigt wurde und weniger, von der pädagogischen als von der medizinischen Seite aus vorgenommen wurde. Sie beschäftigte sich intensiv mit diesem Problem und leitetet in der Folge das Heilpädagogische Institut in Rom. Während dieser Zeit entwickelte Maria Montessori didaktische Materialien speziell für geistig behinderte Schüler. 1907 eröffnete Montessori eine Tagesstätte in Rom, die sich an die Kinder aus sozial schwachen Familien richtete. Die in früheren Jahren entwickelten didaktischen Materialien für geistig Behinderte übernahm sie in ihrer Arbeit in der Tagesstätte. Der Erfolg war überwältigend, sodass die Italienerin aus diesen Erfahrungen heraus die Montessorimethode entwickelte.
Text: D. S. (Pädagogin) / Stand: 04.06.2019

Natürlich haben wir auch einige Infos über Montessori Kindergärten zusammengestellt.

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