Mir macht das Spielen mit meinem Kind keinen Spaß

Mutter spielt mit ihrem Sohn
Nicht allen Eltern macht das Spielen mit ihrem Kind Spaß
Foto: © Dan Race

Was tun, wenn das Spielen mit dem eigenen Kind keinen Spaß macht?

Viele Eltern fühlen sich als Alleinunterhalter ihres Kindes. "Mama mir ist langweilig, wir spielen Mensch ärgere dich nicht, Papa komm jetzt endlich die Kugelbahn aufbauen!"

Eltern als wichtigste Bezugspersonen für ein Kind stehen auch beim Thema Spielen an erster Stelle. Muss das sein? Was ist, wenn ich mich zum Spielen mit meinem Kinder überwinden muss?

Nicht der Spielertyp:

Einige Eltern kennen das Problem, dass sie selbst von Natur aus nicht der Typ Mensch sind, welcher gern spielt. Oft kostet es nicht nur Überwindung selbst mit Freunden ein Gesellschaftsspiel oder Karten zu spielen, sondern ganz besonders den täglichen Forderungen ihrer Kinder gerecht zu werden.

Warum gemeinsam spielen?

Das gemeinsame Spiel mit anderen Personen ist eminent wichtig für die Entwicklung eines Kindes, so viel steht fest. Insbesondere in den ersten Jahren konzentrieren sich die Kinder dabei viel auf ihre Eltern, Geschwister und enge Bekannte. Gemeinsam spielen bedeutet für die Kinder Austausch von Erfahrungen, soziale Kontakte knüpfen, Verhaltensweisen interpretieren aber auch gemeinsam Freude oder Enttäuschung zu erleben.

Totaler Verzicht?

Ganz ums Spielen herum kommen auch Spiel-Muffel nicht. Dennoch ist es ein Unterschied, ob ein Kind über lange Zeiträume ein Beschäftigungsprogramm einfordert und nicht in der Lage ist, sich auch allein zu beschäftigen oder es nur ab und zu die ungeteilte Aufmerksamkeit seiner Eltern genießen möchte. Kinder müssen natürlich lernen, sich allein zu beschäftigen. Je älter sie werden, desto höher wird der Zeitanteil, den Kinder allein im Spiel verbringen. Und Kinder merken schnell, wenn die Eltern nur mit Unlust an das gemeinsame Spiel gehen und werden unmittelbar entsprechend reagieren. Nichts destotrotz ist es wichtig, dass Kinder auch lernen Langweile auszuhalten, denn nur so entwickeln sich letztendlich daraus kreative Spielideen. Da Eltern heute immer weniger Zeit für ihre Kinder haben, ist es umso bedeutungsvoller, die Kinder weniger quantitativ als vielmehr qualitativ zu beschäftigen. Und dabei liegt der Schwerpunkt auf "beschäftigen".

Spiel ist nicht gleich Spiel:

Nicht immer fordern die Kinder ein Spiel im klassischen Sinne ein. Meist wollen sie gemeinsam mit ihren Eltern Zeit verbringen. Dies muss nicht zwangsläufig ein Mau-Mau Spiel in der Endlosschleife werden. Oft sind Kinder bereits zufrieden, wenn sie mit Papa in der Garage werken dürfen, mit Oma im Garten arbeiten oder Verantwortung für eine ihnen übertragene Aufgabe übernehmen müssen. Ganz nebenbei können Eltern bei dieser Gelegenheit ebenso die Entwicklungsstufe ihrer Kinder gezielt beobachten.

Das Alter ist entscheidend:

Je jünger ein Kind ist, desto intensiver ist sein Spielbedürfnis mit den Eltern. Erst im Laufe des dritten Lebensjahrs beginnen die kleinen Jungen und Mädchen sich bewusst mit anderen Kindern zu beschäftigen, vorher zeigen sie immerhin schon ab einem Jahr Interesse. Selbstverständlich ist neben der Betreuung in einer Kindertagesstätte oder dem Hort auch weiterer sozialer Kontakt zu anderen Kindern aller Altersgruppen geeignet, um das "Spiel-Problem" zu lösen. Anfänglich in ganz jungen Jahren könnten dies Gruppentreffen wie Babyschwimmen, Krabbelgruppen oder ein PEKIP-Kurs sein, später sind die Hobbys wie der Modellbauverein, Sportgruppen oder Schachclubs usw. eine sinnvolle Möglichkeit, die Kinder spielerisch zu beschäftigen, ohne ständig selbst in die Rolle des Mitspielers schlüpfen zu müssen.

Jeder spielt anders:

Kinder fordern ab einem gewissen Punkt von Müttern und Vätern unterschiedliche Spiele ein. Väter toben intuitiv oft mehr als Mütter mit ihren Kindern, sie lassen sie eher Wagnisse eingehen, wie etwa von einem Ast springen oder ins tiefe Wasser hüpfen. Mütter zeigen häufig mehr Geduld bei Spielideen, die kreativer sind und Details erfordern, wie Zeichnen oder kleine Stecker-Spiele. Für die Kinder ist es von großer Bedeutung und zusätzlich ein Gewinn, diese beiden Seiten zu erleben.
Manchmal ist es jedoch auch der innere Schweinehund, den es zu überwinden gilt. Denn haben sich Eltern erst einmal aufgerafft und folgen den Spielideen ihrer Kinder, macht es nicht selten richtig Spaß.
Text: C. D. / Stand: 04.06.2019

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