Wutanfall bei Kindern in der Öffentlichkeit

Wie kann man mit einem Wutanfall bei Kindern in der Öffentlichkeit umgehen?

"Ich will jetzt das Spielzeugauto!!! Ich WILL es haben!!!! Maaaama!!!" Wütend und völlig aufgelöst steht der 4-jährige Tim in der Spielzeugabteilung des Drogeriemarktes und probt den Aufstand.

Seine Stimme schwillt an, Tränen schießen aus seinen Augen und er fuchtelt wild mit den Armen herum. Seine Mama weiß: gleich ist es soweit und er wird sich schreiend auf den Boden werfen. Sie schaut sich vorsichtig um und tatsächlich: die ersten Leute beobachten schon die hier stattfindende Szene.

Die Reaktionen der Mitmenschen

Ein Wutanfall in der Öffentlichkeit ist immer unangenehm und verunsichert nicht selten die Eltern des tobenden Kindes. Sie meinen, alle Welt schaut ihnen zu und sie ernten ja tatsächlich verschiedenste Reaktionen aus der Umwelt. Die Einen raten "Das Kind braucht mal eine ordentliche Tracht Prügel" und die Anderen meinen "Das kenne ich auch von unserem Nachwuchs". Prüfende Blicke, verständnisloses Kopfschütteln und nerviges Augen verdrehen - all das müssen Eltern eines wütenden Kindes in solch einer Situation ertragen. Und dabei brauchen sie gerade jetzt alle Nerven für ihren brüllenden Nachwuchs...

Proben und großer Auftritt in der Öffentlichkeit

Eines Vorweg: die Proben für diesen "Auftritt" in der Öffentlichkeit sind bereits zu Hause in den eigenen vier Wänden gelaufen. Dort probiert sich das Kind zuerst aus und "testet" seine Eltern. Wie lange muss ich schreien, um meinen Willen zu bekommen? Wann wird meine Mama weich? Was muss ich veranstalten, um sie rumzukriegen? Mit welchen Methoden kann ich sie beeindrucken? Und dann geht es hinaus auf die große Bühne - im Supermarkt will das Kind die Schokolade, im Spielzeugladen die süße kleine Puppe, an der Imbissbude unbedingt die heißgeliebten Pommes. Was können Eltern tun, um solche unangenehmen Situationen zu meistern? Mehr zum Thema Wutanfall zuhause

So können Sie auf einen Wutanfall Ihres Kindes in der Öffentlichkeit reagieren

Die Situation vorher in Gedanken durchspielen
Wut- und Trotzreaktionen des Kindes sind oft vorhersehbar. Es sind meist immer wieder ähnliche Situationen, welche aus dem sonst so lieben Kind einen wahren "Wutbatzen" machen. Das können Sie als Eltern ausnutzen, indem Sie die Situation und mögliche Lösungsstrategien bereits im Vorfeld gedanklich durchgehen. Wie genau möchten Sie reagieren, wenn Ihr Kind einen Wutanfall hat? Was können Sie im Vorfeld vielleicht tun, damit es gar nicht erst so schlimm wird? Und welche Konsequenzen soll das Verhalten des Kindes nach sich ziehen?

Standhaft bleiben
Auch wenn es unangenehm ist: bleiben Sie standhaft und lassen Sie sich nicht von dem heftigen Wutgebrüll Ihres Nachwuchses beeindrucken. Wenn Sie festgelegt haben, dass es heute keine Schokolade aus dem Supermarkt gibt, dann gibt es auch keine. Punkt. Aus. Ende. Geben Sie jetzt nach, so weiß Ihr Kind: ich muss nur lange genug schreien und dann bekomme ich meinen Willen! Somit wären die Voraussetzungen mehr als günstig, dass der nächste Wutausbruch in Kürze folgen wird.

Die Situation verlassen
Nicht jeder Tag ist gleich. Manchmal nimmt man als Eltern den Wutanfall des Kindes mit einem Schulterzucken hin und manchmal hält man diesen und die Reaktion der anderen Leute darauf kaum noch aus. Haben Sie so einen Tag erwischt, dann verlassen Sie nach Möglichkeit mit ihrem schreienden Kind die Situation. Es bringt gar nichts, wenn Sie hierbei die Nerven verlieren. Vertagen Sie dann den Einkauf oder brechen Sie das gemütliche Treffen mit der Freundin im Cafe ab.

Konsequenzen vorher besprechen
Sie kennen genau die Situationen, in denen Ihr Nachwuchs seine berühmten Wutanfälle bekommt. Meist ist es der Einkauf, da es hier viele verlockende Dinge gibt, welche das Kind unbedingt haben will. Sprechen Sie vorher mit ihm ab, wie Sie reagieren werden, wenn das Wutgebrüll losgeht. Viele Eltern schnappen sich dann ihr Kind und bringen es unverzüglich zum Auto. Dort wird es in den Kindersitz verfrachtet, angeschnallt und das Auto verschlossen. Atmen Sie tief durch, zählen Sie langsam bis 10 und versuchen Sie an etwas Schönes zu denken. Je nach Alter und Temperament Ihres Kindes können Sie dann den Einkauf allein fortsetzen.

Reagieren Sie unerwartet
Sind Sie spontan und haben genügend Selbstvertrauen? Dann reagieren Sie doch mal völlig unerwartet! Wirft sich Ihr Kind schreiend auf den Boden, so tun Sie es ihm gleich und brüllen mit. Oder analysieren Sie gemeinsam mit den anderen Passanten in der Fußgängerzone das wütende Etwas, was sich nicht mehr in den Kinderwagen befördern lassen möchte. Sie könnten die Leute direkt ansprechen: "Was würden Sie sagen? Der Stimme nach zu urteilen könnte es sich um eine Art Löwe handeln, oder was meinen Sie? Haben Sie so etwas schon mal live gesehen?" Damit schlagen Sie zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie lassen die Situation nicht passiv über sich ergehen und Ihr Kind wird ob der ungewohnten Reaktion mit großer Wahrscheinlichkeit mit seinem Gezeter aufhören. Vielleicht müssen Sie ja auch beide lachen!

Wutanfälle gehören zur gesunden Entwicklung eines jeden Kindes dazu. Die Kleinen entdecken immer mehr ihr eigenes Ich und grenzen sich somit von den Eltern ab. Die Zeit der Wutanfälle ist eine sehr wichtige Phase - und manchmal hilft allein dieser Gedanke, um nicht in dem Strudel aus Wut und Trotz unterzugehen.
Text: K. L. / Stand: 13.12.2018

Und wie geht man mit der Trotzphase um?

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