Leben mit Asperger als Erwachsener

Buchstaben bilden das Wort Asperger
Wie ist das Leben mit Asperger als Erwachsener?
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Wie kann man mit Asperger leben?

Das Asperger Syndrom gehört zu den autistischen Entwicklungsstörungen und wird meist im frühen Kindesalter diagnostiziert. Die Betroffenen haben auffällige Schwierigkeiten im Bereich der Kommunikation und die mangelnde Empathiefähigkeit erschwert es ihnen, soziale Kontakte aufzubauen und aufrechtzuerhalten. (Mehr über das Asperger Syndrom) Dennoch ist es möglich, dass Asperger Autisten ein weitgehend normales Leben führen können.

Frühe Diagnose bringt Vorteile

Wird bereits im Kindesalter festgestellt, dass eine autistische Störung vorliegt, so bringt dies für alle Beteiligten nur Vorteile. Die Eltern wissen um die Behinderung und können mögliche Auffälligkeiten und Eigenarten des Kindes besser einordnen. Das Kind selbst fühlt sich verstanden und in seiner Persönlichkeit angenommen. Und schlussendlich ist erst nach der gestellten Diagnose eine individuelle Förderung möglich. Das Asperger Syndrom bleibt ein lebenslänglicher Begleiter, jedoch können die Betroffenen im Laufe der Jahre lernen, mit dieser Störung umzugehen.

Familie und Partnerschaft

Aspies - wie Menschen mit Asperger Syndrom liebevoll genannt werden - sind genauso wie andere Personen auch in der Lage, eine Partnerschaft einzugehen und Kinder zu haben. Es fällt ihnen jedoch schwer, sich in ihren Partner hinein zu versetzen und sich intensiv mit ihm auszutauschen. Auch der Beginn einer Beziehung kann sich schwierig gestalten, denn ihnen gelingt es nicht, unbekümmert zu flirten oder wage Andeutungen zu verstehen. Doch wer sich die Mühe macht, sich in einen Aspie hineinzudenken, der wird entdecken, dass diese Menschen durchaus Gefühle zeigen können - aber eben auf ihre eigene Art und Weise.

Berufliche Entwicklung

Asperger Autisten ist es eigen, dass sie häufig ganz bestimmte Sonderinteressen haben. Diese liegen meist in Bereichen, welche klar strukturiert sind und einer gewissen Logik folgen. Und so finden viele Betroffene eine Anstellung in der Informatikbranche oder aber im Büro als Sachbearbeiter. Schwer bis unmöglich ist dagegen der Kontakt zu Kunden, da Aspies immer einen genauen Plan im Kopf haben müssen, von dem sie nur sehr schwer abweichen können. Flexibel auf andere reagieren oder sich gar auf das Gegenüber einstellen, das ist ihnen meist nicht möglich. Sie wirken schnell kühl, egoistisch und nicht anpassungsfähig, so dass es schwierig ist, nach einem Vorstellungsgespräch die erhoffte Zusage zu erhalten. Haben Asperger Autisten jedoch erst einmal im Beruf Fuß gefasst, so sind sie in der Regel geschätzte Mitarbeiter. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass Asperger Autisten ein sehr hohes Gerechtigkeitsempfinden besitzen und Ehrlichkeit bei ihnen an erster Stelle steht.

Das Leben lernen

Wie bereits erwähnt, fällt es Asperger Autisten schwer, sich in andere Menschen hinein zu versetzen. Sie können jedoch lernen, in gewissen Situationen angemessen zu reagieren. Das soziale Kompetenztraining bietet hierfür ideale Bedingungen. Mittels kleiner Tricks und Kniffe ist es Aspies dann möglich, recht unauffällig durchs Leben zu gehen und nicht immerzu "anzuecken". Sie lernen, die verschiedenen Gesichtsausdrücke einzuordnen und entsprechend darauf zu reagieren. Sie lernen auch, dass man sich bei der Begrüßung anschaut (wenn schon nicht in die Augen, dann eben auf die Nase oder auf das Ohr), dass man dem anderen unter Umständen die Hand gibt und dass ein gewisser Abstand zu anderen Menschen notwendig ist, damit sich diese nicht bedrängt fühlen. Für Menschen ohne Asperger sind diese Dinge ganz selbstverständlich. Autisten jedoch müssen all diese Kleinigkeiten mühsam lernen, um sie dann quasi auswendig zu können und bei Bedarf zur Hand zu haben.

Mit der richtigen Förderung und Unterstützung gelingt es Asperger Autisten, ein zufriedenes und selbst bestimmtes Leben zu führen. Die Einschränkungen, welche mit dieser seelischen Behinderung einhergehen, merken dann meist nur wirklich nahe stehende Personen.
Text: K. L. / Stand: 13.12.2018

[Bitte beachten Sie: Unsere Artikel können nicht den Rat eines Arztes ersetzen. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt Ihres Vertrauens!]

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