Asperger bei Erwachsenen

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Asperger bei Erwachsenen - Foto: © WavebreakmediaMicro


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Was ist Asperger?

Beim Asperger-Syndrom handelt es sich um eine tiefgreifende Entwicklungsstörung aus dem autistischen Formenkreis. Sie besteht von Geburt an, wobei die ersten typischen Symptome meist um das 3. Lebensjahr herum auffallen. Kinder- und Jugendpsychologen stellen in ihrem Arbeitsalltag immer wieder die Diagnose "Asperger-Autismus" - jedoch beschäftigt sich die Erwachsenenpsychiatrie erst seit einiger Zeit mit dieser seelischen Behinderung. Infos über das Asperger Syndrom

Symptome des Asperger Syndroms

Erwachsene Asperger-Autisten haben im Laufe ihres bisherigen Lebens meist recht gut gelernt, mit ihrer Krankheit umzugehen. Sie haben Techniken entwickelt, um für sie schwierige soziale Situationen zu meistern und sind nicht selten in einem Beruf tätig, in dem die persönlichen Defizite irrelevant sind. Dennoch kann sich das Asperger-Syndrom ganz ähnlich äußern, wie dies auch bei Kindern der Fall ist. Typisch für diese Störung sind eine monotone Sprechweise, ein recht geschliffen wirkender Sprachstil, ein starrer Gesichtsausdruck, die Vermeidung von Blickkontakt und das fehlende Einfühlungsvermögen gegenüber anderen Menschen. Das Befolgen von Anweisungen kann erschwert sein und die Betroffenen wirken teilweise abwesend und auf andere so, als ob sie in ihrer eigenen Welt leben. Und in gewisser Weise tun sie dies ja auch. Im Regelfall scheinen die Symptome bei einem erwachsenen Asperger Autisten abgeschwächter als bei einem Kind mit dieser Störung. Die Realität ist jedoch, dass das Asperger-Syndrom zeitlebens weitestgehend stabil bleibt und die Betroffenen lediglich Mechanismen entwickelt haben, um relativ normal in der Gesellschaft zu leben.

Diagnose von Asperger bei Erwachsenen

Genau aus diesem Grund ist es für einen Arzt oder Psychiater so schwierig, im Erwachsenenalter die Diagnose "Asperger-Autismus" zu stellen. Häufig suchen die Patienten einen Mediziner auf, weil sie unter psychischen Problemen, wie beispielsweise Ängsten oder Depressionen, leiden. Sie ahnen gar nichts von ihrer Grunderkrankung und auch der Arzt tappt vorerst im Dunkeln. Eine sorgfältige Anamnese, auch rückblickend auf die Kindheit, kann jedoch hier Licht ins Dunkel bringen. Der Hausarzt überweist dazu im Regelfall an einen erfahrenen Psychiater, oder, wenn der Verdacht auf Asperger bereits besteht, an eine Autismus-Ambulanz.

Behandlung von Asperger

Die Behandlung eines erwachsenen Asperger Autisten unterscheidet sich nicht wesentlich von der eines betroffenen Kindes. Das Therapiekonzept besteht aus mehreren Bausteinen und wird individuell auf den jeweiligen Autisten zugeschnitten. Im Vordergrund steht dabei die Förderung der sozialen und kommunikativen Fähigkeiten, welche unter anderem durch das TEACH-Konzept (Treatment and Education of Autistic and related Communication-handicapped Children) erreicht werden kann. Obwohl TEACH ursprünglich für autistische Kinder entwickelt wurde, so kann es doch auch erwachsenen Asperger-Autisten helfen, besser mit ihrer Störung im Alltag umzugehen. Begleitend zu einer Psychotherapie kann manchmal noch eine Ergo-oder eine Physiotherapie angezeigt sein. Psychopharmaka sind eigentlich beim Asperger-Syndrom nicht notwendig, können jedoch im Einzelfall eine Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen darstellen. Wichtig zu wissen: nicht jeder, der unter dem Asperger-Syndrom leidet, bedarf auch wirklich einer Behandlung. Hier kommt es ganz auf die Schwere der Symptomatik an und auf die jeweiligen Beeinträchtigungen, welche sich im Alltag für den Autisten ergeben.

Erwachsene Asperger-Autisten können durchaus ein weitestgehend normales Leben führen, welches sich kaum von dem anderer Menschen unterscheidet. Oftmals bemerken lediglich nahestehende Personen die individuellen Besonderheiten. Wurde erst einmal eine Diagnose gestellt und das "Kind hat einen Namen", so ist es möglich, durch eine maßgeschneiderte Therapie die notwendigen sozialen Fähigkeiten im Umgang mit anderen Menschen zu erlernen und so die Lebensqualität zu steigern.
Text: K. L. / Stand: 11.12.2019

[Bitte beachten Sie: Unsere Artikel können nicht den Rat eines Arztes ersetzen. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt Ihres Vertrauens!]

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