Der Schwangerschaftsabbruch

Frau denkt über Schwangerschaftsabbruch nach
Vor dem Schwangerschaftsabbruch muss man sich ganz
sicher sein, dass man das Baby nicht austragen möchte
Foto: © Kirill Kedrinski

Inhaltsverzeichnis für diesen Artikel:

Abbruch der Schwangerschaft - Eine schwierige Entscheidung

Es ist eine Entscheidung, die für Frauen das Leben maßgeblich verändert. Niemand wünscht sich in diese Situation zu kommen, und dennoch müssen Frauen sie meistern. Denn neben den vielen Wunschkindern, gibt es genügend ungeplante Schwangerschaften, bei denen sich die Frauen außerstande sehen, sie auszutragen. Keine Frau fällt leichtfertig die Entscheidung zu einem Schwangerschaftsabbruch.

Nach der Feststellung der Schwangerschaft überfluten ungeahnte Emotionen die Eltern und die Mütter ohne Partner. Die Gefühle fahren Achterbahn und Zukunftsszenarien spielen sich in den Köpfen ab. Schaffe ich es als alleinerziehende Mutter? Können wir uns ein Kind leisten? Schaffe ich mit einem Kind meinen Abschluss? (Infos über Tennagerschwangerschaften) Oder aber: Bedeutet ein Kind das Aus für meine Karriere? Freude und Angst liegen eng beieinander. Die Ungewissheit, ob die Partnerschaft ein Kind aushält oder ob man sich seine Zukunft anders vorgestellt hat, ändern nichts an der Situation. In einem mehr oder minder engen Zeitrahmen muss die werdende Mutter eine Entscheidung treffen, trage ich das Kind aus oder entschließe ich mich für einen Schwangerschaftsabbruch. Wie auch immer der Entschluss ausfällt: Was die Mutter für sich entscheidet, ist richtig. Keine Schwangere sollte sich von außen beeinflussen lassen und zu einer Entscheidung gedrängt werden, die sie nicht möchte oder die sie nicht sich selbst verantworten kann. Ein einseitiger Kinderwunsch ist leider oft ein Grund zur Trennung.

Voraussetzungen für einen Schwangerschaftsabbruch

Bleibt die Regelblutung aus oder stellen sich die ersten Schwangerschaftssymptome ein, ist es für die Pille danach oder die Spirale zu spät. Bemerkt eine Frau nach dem ungeschützten Verkehr, dass sie vielleicht schwanger sein könnte, hat sie bis zu 72 Stunden Zeit, sich die rezeptpflichtige "Pille danach" verschreiben zu lassen oder sich innerhalb von fünf Tagen nach dem Geschlechtsverkehr eine Spirale einsetzen zu lassen. Die meisten Schwangerschaften werden aber erst zwei bis drei Wochen nach der Befruchtung festgestellt. Ab diesem Punkt ist es nur noch möglich, die Schwangerschaft abzubrechen, und nicht mehr sie zu verhindern.

Voraussetzungen für einen Abbruch ohne Indikation

Eine Frau kann sich ohne Angabe von Gründen gegen eine Schwangerschaft entscheiden. Liegen keine medizinischen oder "kriminologischen" Gründe vor, spricht der Gesetzgeber von einem Schwangerschaftsabbruch ohne Indikation. Das heißt, sie können die Schwangerschaft unterbrechen, wenn Sie die Bedingungen, die der Staat zum Schutz von Mutter und Kind eingeführt hat, einhalten:

  • Der Abbruch darf nur bis zur 14. Schwangerschaftswoche, das bedeutet bis zur zwölften Lebenswoche des Fötus erfolgen.
  • Sie müssen sich einer gesetzlich vorgeschriebenen Beratung unterziehen. Ihr Gynäkologe wird Ihnen bei der Auswahl der Stelle behilflich sein.
  • Nur ein Arzt darf den Abbruch vornehmen.
  • Zwischen Beratung und dem eigentlichen Abbruch müssen drei Tage liegen, also erst am 4. Tag nach dem Beratungstermin darf der Eingriff durchgeführt werden. Dies soll der Mutter ausreichend Zeit geben, die Pros und Contras abzuwägen und keine überstürzte Entscheidung zu treffen.

Voraussetzungen für einen Abbruch mit Indikation

Nicht alle Schwangerschaften werden ausschließlich auf Wunsch der Mutter abgebrochen. Liegt aus ärztlicher Sicht ein Grund vor, die Schwangerschaft nicht auszutragen, ist der Abbruch aus gesetzlicher Sicht rechtmäßig. Der Mediziner, der diese Indikation diagnostiziert, darf jedoch nicht den Eingriff vornehmen. Es bedarf bei einem Schwangerschaftsabbruch mit einer Indikation keines Beratungsgespräches.

  • Kriminologische Indikation: Ist die Frau durch eine Straftat schwanger geworden, zum Beispiel durch eine Vergewaltigung, darf sie ohne Pflichtberatungsgespräch die Schwangerschaft abbrechen. Allerdings gilt auch hier die Begrenzung bis zur 14. Schwangerschaftswoche, bzw. zur 12. Woche nach der Befruchtung.
  • Medizinische Indikation: Schmerzlich ist besonders der Abbruch bei einer medizinischen Indikation. Liegt ein Grund vor, der das seelische oder körperliche Wohl der Mutter in Gefahr bringt, kann die Schwangerschaft auch über die 14. Schwangerschaftswoche hinaus legal unterbrochen werden. Gerade für Schwangere die sich ein Kind wünschen und bei denen eine wesentliche gesundheitliche Schädigung des Babys zu erwarten ist, die die körperliche oder seelische Gesundheit der Mutter gefährdet, ist es eine besonders schwere Entscheidung.

Kosten für einen Schwangerschaftsabbruch

Bei gesetzlich Versicherten übernimmt die Krankenkasse nur einen geringen Teil der Schwangerschaftsabbruch Kosten, wenn es sich um einen Abbruch ohne Indikation handelt. Übernommen werden nur die Kosten für die Beratung vor dem Eingriff, die Arztkosten und die Medikamente vor und nach der Behandlung. Bei eventuellen Komplikationen werden selbstverständlich die Kosten, die zur Erhaltung der Gesundheit der Mutter nötig sind, von der Krankenkasse übernommen. Der eigentliche Eingriff jedoch, muss von der jeweiligen Schwangeren selbst getragen werden. Bei einer instrumentellen ambulanten Behandlung beträgt die Summe dafür ca. 450 €, ist er medikamentös wird es sich auf ungefähr 360 € belaufen. Haben die Frauen nur ein geringes Einkommen, kann man bei der Krankenkasse eine Kostenübernahme beantragen. Letztendlich zahlen wird dafür das jeweilige Bundesland. Die Einkommensgrenze liegt ei 1036 € netto. Beantragt die Schwangere eine Kostenübernahme, muss dies vor dem Schwangerschaftsabbruch erfolgen. Rückwirkend werden keinerlei Gebühren erstattet. Das Einkommen des Partners oder Ehemannes wird bei der Kostenübernahme nicht berücksichtigt und fließt damit auch nicht in die Berechnung ein. Auch wenn die Gebühren für die Behandlung beantragt werden, muss die Schwangere ihre Beweggründe für den Abbruch nicht erklären, lediglich die Einkommensverhältnisse nachweisen.

Die Schwangerschaftsabbruch Methoden

Absaugen und/oder Ausschabung
Die meisten Schwangerschaftsabbrüche erfolgen in Deutschland durch die Absaugmethode. Die Schwangere bekommt eine örtliche Betäubung oder eine Vollnarkose. Danach wird der Muttermund vorsichtig gedehnt und sowohl der Embryo samt Fruchtsack als auch die Gebärmutterschleimhaut werden mit einem Röhrchen abgesaugt. Der Eingriff dauert für einen routinierten Arzt nur wenige Minuten und hat nur selten Komplikationen zur Folge. Ergibt ein anschließendes Kontrollultraschall, dass noch Gewebereste vorhanden sind, muss eine Ausschabung (Curettage) durchgeführt werden. Bei einer Ausschabung wird mit einer Curette, einem chirurgischem Instrument das einem Löffel ähnelt, der Embryo und die Gebärmutterschleimhaut entfernt. Diese Methode allein, wird zum Schwangerschaftsabbruch kaum noch angewandt. Sie dient vielmehr nur noch als Ergänzung zur Absaugung.

Medikamentöser Abbruch
Durch eine "Abtreibungspille" wird die Abstoßung des Embryos veranlasst. Sie darf nur bis zur 9. Schwangerschaftswoche eingesetzt werden und außerdem nur unter ärztlicher Aufsicht in Kliniken angewandt werden. Ca. 36 bis 48 Stunden danach werden Prostaglandine ebenfalls unter Aufsicht eingenommen, sie veranlassen ein Zusammenziehen der Gebärmutter. Der medikamentöse Abbruch ist eine Alternative zum Absaugen, findet aber immer seltener Anwendung.

Welche Risiken bestehen?

Es kann zu Nachblutungen oder Entzündungen kommen. Starke Blutungen oder Fieber treten nur selten auf. Im schlimmsten Fall kann bei einem instrumentellen Schwangerschaftsabbruch die Gebärmutter verletzt werden. Erfolgte der Eingriff ohne Komplikationen, hat dies auf die Fruchtbarkeit der Frau kaum Einfluss. Das Risiko eine Fehlgeburt zu erleiden, steigt jedoch um 10 %, bei mehreren Abbrüchen sogar bis auf 30 %. Die psychische Belastung eines Schwangerschaftsabbruches sollte auch nicht unterschätzt werden. Manche Frauen verarbeiten die Erlebnisse nur schwer und haben Depressionen oder andere psychische Erkrankungen.

Stehen Sie vor der Frage, ob Sie einen Schwangerschaftsabbruch machen lassen sollen, ist es wichtig, sich nicht bedrängen zu lassen und diese Entscheidung nur für sich zu treffen. Weder der Zwang das Kind auszutragen noch der Zwang, die Schwangerschaft unterbrechen zu lassen, sind richtig. Nehmen Sie sich Zeit, genau abzuwägen, was für Sie persönlich das Richtige ist, und Sie werden die richtige Entscheidung für sich treffen.
Text: C. D. / Stand: 22.06.2017

[Bitte beachten Sie: Unsere Artikel können nicht den Rat eines Arztes ersetzen. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt Ihres Vertrauens!]

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