Corona-Familienbonus: Ein Tropfen auf den heißen Stein

Warum der Familienbonus vielen Eltern nicht wirklich hilft:

Familie freut sich auf Corona Familienbonus
Hilft der Corona-Familienbonus wirklich? Foto: © tan4ikk - stock.adobe. com

Eine Kolumne von Andrea Beck:

Sie ist sicherlich gut gemeint, die 300 Euro-Corona-Familien-Finanzspritze. Eine ernstzunehmende Hilfe sieht jedoch anders aus. An den realen Problemen vieler Eltern geht der einmalige Bonus vorbei.

Zugegeben:
Es besser als nichts. Oder zu mindestens besser als die Häme, die uns Eltern mancherorts zu Beginn noch entgegenschlug. Denn da war mitunter – teilweise sogar aus den Reihen der Politik – zu vernehmen, wir Eltern sollen uns nicht so haben und die eigenen Kinder lieber wieder besser kennenlernen. Und nicht so tun, als sei eine ganztägige Betreuung des eigenen Nachwuchses etwas, was schmerzensgeldpflichtig sei.

Natürlich hätten sich die meisten über das Plus an Zeit mit den eigenen Kindern sicherlich sehr gefreut – wenn es denn nur eine unbeschwerte Zeit fernab von Existenzängsten gewesen wäre. Homeschooling mit Grundschülern und ggf. auch Kleinkindbetreuung parallel zu stemmen, während der eigene Job im Homeoffice weiterlaufen soll, das ist eine Zerreißprobe. Und meistens bleibt diese Zerreißprobe an den Frauen hängen. Im Worst Case haben sie in der Corona-Zeit bereits ihren Job verloren, wahlweise weil ihnen gekündigt worden ist oder weil sie selbst das Handtuch geworfen haben, einfach, weil der doppelte Druck gar nicht mehr zu ertragen war.


Es gibt Eltern, die die 300-Euro-Zahlung als „Schweigegeld“ bezeichnen. Das ist eine harte Formulierung. Gedacht sind die 300 Euro von Vater Staat hingegen vorrangig als eines: Geld, das direkt in den Markt zurückfließen und damit der Wirtschaft zugutekommen soll. Ein Push für die lahmende Wirtschaft ist ohne Frage wichtig. Doch wenn es darum geht, gerade Familien jetzt nachhaltig zu unterstützen und auch im Blick zu behalten, dass Frauen nicht wieder in alte Rollenmuster zurückgedrängt werden, dann wären andere Modelle sicherlich praktischer gewesen.

Ein deutlich sinnvollerer Impuls wäre etwa die bereits von der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft Familie ins Gespräch gebrachte Corona-Familienarbeitszeit. Gemeint ist damit konkret ein Anspruch auf Arbeitszeitreduzierung für Eltern mit Kindern bis zu zwölf Jahren inklusive Lohndifferenzausgleich durch Bundesgelder. In gedeckelter Höhe versteht sich. Ähnlich wie beim Elterngeld könnte man die Zahlung solcher Gelder an die Bedingung knüpfen, dass möglichst beide Elternteile ihre Arbeitszeit reduzieren.

300 Euro allein helfen den im wahrsten Sinne des Wortes gebeutelten Familien reichlich wenig. Denn auch wenn Schulen und Kitas jetzt wieder öffnen, so bedeutet dies noch lange nicht Entwarnung. Der Personalmangel an Schulen und Kitas, bedingt durch Lehrer und Erzieher, die wegen Vorerkrankungen ausfallen, wird eine vollständig normale Betreuungssituation kaum ermöglichen können. Und über all dem schwebt das Damoklesschwert, dass vielleicht bei einer zweiten Infektionswelle am Ende des Jahres wieder alles dicht ist.

Der Corona Familienbonus ist und bleibt damit ein Tropfen auf den heißen Stein.
Bleibt zu hoffen, dass er tatsächlich etwas dazu beiträgt, die Konjunktur wieder anzukurbeln. Viel eher dürfte das Geld aber gespart werden. Es ist nicht die Zeit der Unvernunft. Vermutlich wäre es am ehesten im Sinne der Bundesregierung, wenn das Geld direkt die Kinder ausgeben dürften. Für Spielzeug, Handys oder sonstige hippe Technik-Gadgets, die diese Saison gerade cool sind. Für die Konjunktur wäre das sicher das Beste.
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