Arme Kinder: Viele Väter zahlen keinen Unterhalt

Geldscheine
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Nach Trennung oder Scheidung wohnen Kinder in aller Regel bei einem Elternteil, während sich der andere mit Unterhaltszahlungen und dem Umgangsrecht beschäftigen muss. (Infos zum Unterhalt) Dass dies jedoch nicht immer so einfach ist, wie es das Gesetz vorsieht, zeigt nun eine Studie, die die Bertelsmann Stiftung durchgeführt hat. Demnach müssen viele Alleinerziehende und Kinder auf ihren rechtmäßigen Unterhalt verzichten. Nicht immer spielt finanzielle Not des Unterhaltspflichtigen hierbei eine Rolle.

Die aktuelle Situation in Deutschland

Insgesamt geht aus aktuellen Statistiken hervor, dass etwa zwanzig Prozent aller Familien in Deutschland sogenannte „Ein-Eltern-Familien“ sind. Dabei wohnen Kinder nach einer Trennung oder Scheidung nach wie vor häufiger bei der Mutter. Die Bertelsmann-Stiftung beschäftigte sich jedoch nicht nur mit der bloßen Anzahl der Ein-Eltern Familien, sondern beleuchtete auch das stark steigende Armutsrisiko, dem Kinder in solchen Familien ausgesetzt sind. (Ursachen von Kinderarmut)

So zahlt nur etwa die Hälfte aller unterhaltspflichtigen Elternteile den rechtmäßigen Unterhalt. 25 Prozent der Ein-Eltern Familien müssen mit einem deutlich geringeren Unterhalt zurechtkommen und bei einem Viertel bleiben die Unterhaltszahlungen vollständig aus. Auch wenn der unterhaltspflichtige Elternteil aus Trotz oder Rache nicht zahlt, reißt das ein tiefes Loch in das monatliche Budget der Betroffenen. So leben heute etwa eine Million Kinder alleinerziehender Eltern von Hartz IV.

Arm trotz Job

Alleinerziehende versuchen häufig, die fehlenden oder mangelhaften Unterhaltszahlungen durch die Ausübung einer Berufstätigkeit auszugleichen. Etwa 58 Prozent aller Alleinerziehenden können sich aufgrund des hohen Pflegeaufwandes für Haushalt und Kinder nur einen Teilzeit-Job erlauben. Die Verdienste hieraus bewegen sich oft auf einem viel zu geringen Niveau, weswegen auch hier das Armutsrisiko kaum sinkt.

Erschreckend ist auch, dass mehr als die Hälfte der alleinerziehenden Mütter keine Ersparnisse aufweisen können, mit denen sie finanzielle Lücken ausgleichen könnten. Selbst Unterhaltsvorschuss, der jedoch in recht eingeschränkter und zeitlich begrenzter Weise gezahlt wird, stellt hier nur selten eine nennenswerte Erleichterung dar. Schon lange werden daher Rufe nach einer Neuregelung des Unterhaltsrechts und nach effektiverer Entlastung Alleinerziehender laut. Ob sich in der nahen oder fernen Zukunft tatsächlich Besserung einstellen wird, bleibt indes abzuwarten.

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