Trennung der Eltern

Welche Folgen hat eine Scheidung für das Kind?

Gegenwärtig gibt es viele unterschiedliche Beziehungsformen. Eine Freiheit, die hart erkämpft werden musste, aber nicht nur Bequemlichkeiten mit sich bringt.

Ratgeber überschlagen sich mit Heerscharen an teilweise sich widersprechenden Tipps dazu, wie man mit Kindern im Trennungsfall umgeht. Selbst in rechtlicher Hinsicht herrscht nicht immer Einigkeit. Doch grundlegend braucht man nur den gesunden Menschenverstand, um weitestgehend im grünen Bereich zu handeln. Weitestgehend deshalb, weil eine Trennung der Eltern für Kinder nie etwas Gutes ist (Ausnahmen sind manchmal Extremfälle wie Gewalt in der Familie usw.). Es handelt sich meist um den ersten großen Einschnitt in die bis dahin heile Welt eines Kindes. Zum ersten Mal lernt es die Trauerarbeit kennen. Lesen Sie auch: Kindgerechte Streitkultur.

Scheidung der Eltern - Wechseln der Ebenen zwischen Ex-Paar und Eltern

Beide Partner müssen zwangsläufig auf die Eltern-Ebene wechseln, egal welcher Trennungsgrund vorliegt. Man trennt sich nie, weil man sich so sehr liebt, sondern weil man mittlerweile getrennte Wege gehen will oder muss. Ob man will oder nicht: Es bleibt zumindest ein gemeinsames Interesse bestehen, das Kind.

Aus Kindersicht sind weder Mama noch Papa doof, um es mal ganz simpel zu formulieren. Niemand will Eltern, die doof sind. Es verbietet sich also von selbst, das jeweils andere Elternteil zu verunglimpfen. Langfristig gesehen werden derartige Verhaltensweisen von Elternteilen sowieso meist zu Bumerangs gegen sie selbst. Unabhängig davon erschweren sich Eltern dadurch die Erziehungsarbeit, weil das Kind genau das tut, was es tun würde, wenn die Eltern noch zusammen, aber ebenso uneinig wären: Es spielt die Eltern gegeneinander aus.

Das Ex-Paar sollte seine ureigensten Angelegenheiten in Abwesenheit des Kindes regeln und als am Wohl ihres Kindes interessierte Eltern etwas Ruhe einziehen lassen, vorübergehend feste Abhol- oder Besuchszeiten einrichten, in deren Rahmen man zunächst nur Organisatorisches im Bezug auf das Kindeswohl regelt. Dem Kind wird altersgemäß erklärt, dass sich die Eltern nicht mehr verstehen, aber Mama/Papa immer für es da sein werden, dass sich dahingehend nichts ändert.
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Es gibt nur eine Mutter und einen Vater im Leben eines Menschen

Empfehlenswert ist - je nach Entwicklungsstand des Kindes - diese Verfahrensweise auch, wenn neue Partner der Auslöser für die Trennung waren. Hierzu sei gesagt: Dem Kind muss nach so einem schweren Eingriff in sein gewohntes Leben eine Atempause gegönnt sein, neue Partner erst vorgestellt werden, wenn genug Zeit verstrichen ist. Und noch etwas ist in diesem Falle wichtig: Jedes Kind hat nur eine Mutter und einen Vater. So lieb und nett beispielsweise der neue Lebensgefährte von Mutti ist, er hat einen Vornamen, bei dem man ihn nennen kann. Falls er - auch solche Fälle gibt es leider - ein besserer Vater ist als der biologische, sollte das Kind ihn nie beim gleichen Vati-Papa-Papi-Namen nennen wie den Vater, der sich nicht mehr blicken lässt.

Folgen für das Kind - Wettbewerbsverhalten und Geld

Der häufigste Streitpunkt bei Ex-Partnern bezüglich des Kindes ist das liebe Geld. Die Grundregel lautet auch hier: Niemals vor dem Kind streiten. Wenn im Falle der Unterhaltspflichtverletzung der Vater das Kind abholt, winkt die Kindsmutter ihnen freundlich hinterher, nimmt ihren Mantel und sucht einen Anwalt oder das Jugendamt auf.

Ein weiterer Streitpunkt ist oftmals, dass die Mama, bei der das Kind meist wohnen bleibt, den Alltag bestreitet und der Papa dem Kind große und viele Geschenke präsentiert. Meist geschieht das im Laufe der Zeit, parallel dazu erhöht sich das Frustpotenzial insbesondere der Mutter. Hier ist ein Treffen auf neutralem Boden angebracht, ohne Kind, bei dem über eine mögliche neue Besuchsregelung gesprochen werden sollte. Vielleicht vermisst der Vater sein Kind, das er früher täglich um sich hatte, und versucht das durch große Geschenke zu kompensieren, ohne der Mutter damit Böses zu wollen.

Ein Wettbewerb schadet dem Kind nur. Klar ist nämlich, dass sowohl Mutter wie auch Vater ihre jeweils wichtige Rolle im Leben des Kindes spielen. Weder kann eine Mutter den Vater ersetzen noch der Vater die Mutter. Also ist keiner besser oder schlechter als der andere.

Wichtig ist bei allem tatsächlich, dass beide Elternteile trotz aller emotional verständlichen Wut lernen, in ihrem Ex-Partner die gute Mutter/den guten Vater ihres Kindes zu sehen und sich zu diesem Zweck einen Umschalt-Mechanismus im Hirn antrainieren, den sie bei Bedarf betätigen können. Übrigens ist dieser rein sachliche Vorgang nicht selten die Basis für einen langfristig tatsächlich guten Umgang der Ex-Partner miteinander.
Text: kas / Stand: 04.06.2019

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