Autismus ist nicht gleich Autismus. Bei dieser seelischen Behinderung wird generell zwischen den frühkindlichen Autismus (auch als Kanner-Autismus bezeichnet) und dem Asperger-
Asperger Autisten haben u.a. Schwierigkeiten Freundschaften
zu knüpfen - Foto: © Vlad
Syndrom unterschieden. Daneben gibt es noch weitere Sonderformen. Asperger-Autismus ist eine leichtere Form dieser Erkrankung und wird genau wie der frühkindliche Autismus vorwiegend bei Jungen diagnostiziert. Anders als beim Kanner-Autismus treten hier die ersten Symptome erst im Alter von etwa 3 Jahren auf. Bis zu diesem Zeitpunkt verläuft die Entwicklung in der Regel unauffällig.
Ein Kind mit Asperger-Syndrom ist auf den ersten Blick kaum von gesunden, gleichaltrigen Kindern zu unterscheiden. Erst bei genauerem Hinsehen werden die Symptome und Auswirkungen der Erkrankung sichtbar.
Im Nachfolgenden ein kleiner Überblick möglicher Verhaltensauffälligkeiten:
Vermeidung von Blickkontakt, egal ob bei Fremden oder bekannten Personen
monotone Sprachmelodie
Unfähigkeit, sich in Gefühle der anderen hineinzuversetzen
Störungen in der sozialen Interaktion
Schwierigkeiten, Freundschaften zu knüpfen und aufrecht zu erhalten
stereotype Verhaltensweisen
sozial unangepasstes Verhalten
eingeschränkte Gestik und Mimik
Schwierigkeiten bei Veränderungen im Alltagsgeschehen
Ein erfahrener Kinder- und Jugendpsychiater wird in Zusammenarbeit mit einem Psychologen nach mehreren Test und Untersuchungen die Diagnose Asperger-Syndrom stellen. Gar nicht so selten wird diese Störung mit dem heute oft diagnostizierten ADS oder ADHS verwechselt. Beide Erkrankungen können ähnliche Symptome aufweisen - unterscheiden sich jedoch typischerweise im kommunikativen Verhalten. Asperger-Autismus ist nicht heilbar, aber mit geeigneten Therapiemöglichkeiten können die betroffenen Kinder lernen, sich besser im Alltag zurechtzufinden. Da Asperger-Autisten eine durchschnittliche bis sehr hohe Intelligenz aufweisen, können sie auch eine ganz normale Schule besuchen. Manchmal ist der Einsatz eines Integrationshelfers (Schulbegleiter) sinnvoll, da es neben den Schwierigkeiten im sozialen Bereich auch zu Problemen beim Verstehen von Aufgaben kommen kann.
Weitere Infos über den Asperger Austismus
Viele Asperger-Autisten haben ein ausgesprochenes Interesse für ganz bestimmte Dinge. So ist es nicht ungewöhnlich, wenn ein betroffenes Kind alle Fahrpläne von Berlin im Kopf hat oder
sich in einer Stadt so gut auskennt, dass ein Navigationsgerät überflüssig wird. Manche Kinder beschäftigen sich auch intensiv mit Steinen oder mit Geldstücken - und werden äußerst ungehalten, wenn für ihr Interesse einmal keine Zeit ist. Spezialinteressen bestimmen den Alltag vieler Autisten und es ist immer wieder erstaunlich, welch ungeheurere Leistung des Gehirnes dahinter steckt.
Am auffälligsten jedoch ist das soziale Verhalten eines Kindes, welches am Asperger-Syndrom leidet. Außenstehende denken oft, das Kind sei unhöflich oder schlecht erzogen, weil es sein Gegenüber nicht oder nur kaum anschaut. Gespräche werden kurz gehalten oder aber einfach mittendrin beendet. Das macht es so schwierig, Freundschaften aufzubauen und diese vor allem auch zu halten. Manche Mütter berichten, sie haben das Gefühl, dass ihr Nachwuchs durch sie hindurch schaut, aber sie nicht ansehen kann.
Was in einem autistischen Kind vorgeht, das kann man wohl nur erahnen. Sicher kommen sie oft an ihre Grenzen, wollen mehr als sie können, und weil sie nicht aus sich heraus kommen, sind häufig Frustrationen die Folge. Oder aber Aggressionen. Ein Asperger-Autist kann nur sehr schwer mit Veränderungen im Tagesablauf umgehen. Läuft einmal etwas nicht nach Plan, so kann es zu massiven Wutausbrüchen mit körperlicher Gewalt kommen. Zielscheibe sind oft die Eltern, die ihr Kind in solchen Momenten nicht wieder erkennen.
Das Leben mit einem Kind, welches am Asperger-Syndrom leidet, ist gezeichnet von täglichen Problemen. Nichts ist selbstverständlich und bei vielen Dingen müssen die Eltern mehrfach um die Ecke denken, um herauszufinden, warum das Kind so und nicht anders reagiert. Hinzu kommt die Unfähigkeit des Kindes, seinen Bezugspersonen in gewohnter Art und Weise seine Zuneigung zu zeigen. Ein Kuss, eine Umarmung, ein "Ich hab dich lieb" - das wird man von einem Asperger-Autisten nur selten bekommen.
Aspies - wie betroffene Kinder liebevoll genannt werden - können dennoch sensibel und aufmerksam sein. Ja, sie sind anders als andere Kinder, und bei allen Schwierigkeiten im Umgang mit ihnen sind sie doch etwas ganz besonderes. Sie fordern Eltern und Erzieher und zeigen ihnen die Welt aus einer anderen Perspektive. Sie verlangen von uns, nicht nur flüchtig hinzuschauen, sondern uns intensiv mit ihnen zu beschäftigen. Ein Leben mit einem Asperger-Kind ist nicht nur anstrengend, sondern auch bereichernd und unbeschreiblich schön.
Text: K. L.
[Bei Fragen wenden Sie sich bitte an einen Arzt Ihres Vertrauens! Wir geben hier nur allgemeine Hinweise!]
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