Stillen ist die natürlichste Art ein Baby zu ernähren. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und UNICEF empfehlen, ein Baby die ersten sechs Monate voll zu stillen und erst danach mit geeigneter Beikost zu beginnen. Ca. 91 Prozent aller Mütter stillen kurz nach der Geburt ihr Baby - danach gehen die Zahlen drastisch nach unten. Das "Ziel", also sechs Monate voll zu stillen, erreichen schlichtweg nur noch etwa 10 Prozent aller Mütter. Das hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) herausgefunden. Woran liegt das?
Verunsicherung der Mütter
Über das Thema Stillen herrscht immer noch viel Unklarheit. Besonders junge Mütter die ihr erstes Kind bekommen sind auf die Hilfe und Unterstützung von Ärzten, Hebammen und Pflegepersonal in der Klinik angewiesen. Leider ist es so, dass eine Mutter nach der Geburt viele verschiedene Informationen erhält. Darunter auch welche, die fachlich einfach nicht korrekt sind. In der Praxis kann das dann so aussehen, dass Hebamme A der Mutter rät nur alle 4 Stunden zu stillen und Hebamme B das Stillen nach Bedarf favorisiert. Durch unterschiedliche Aussagen werden die Mütter verunsichert und bekommen einfach kein gutes Stillmanagement auf die Reihe.
Mangelnde Unterstützung
Der Partner und andere Familienangehörige können einiges dazu beitragen, um die Mutter beim Stillen zu unterstützen. Viele junge Väter haben kein Problem damit, wenn die Mutter den lieben langen Tag nur am Stillen ist. Sie freuen sich, dass ihr Baby die beste Nahrung erhält, die es bekommen kann. Aber leider gibt es immer noch Männer, die der Meinung sind, dass das Baby nicht ständig nur an der Brust hängen darf und dass es feste Stillzeiten braucht. Auch Aussagen von Schwiegermüttern wie "Was? Du stillst schon wieder? Das Baby wird nicht satt! Deine Milch reicht nicht!" sind nicht gerade förderlich für eine gelungene Stillbeziehung.
Feste Stillzeiten
Leider hält sich der Mythos hartnäckig, dass Babys feste Stillzeiten brauchen. Feste Stillzeiten sind ein Garant dafür, dass die Mutter früher oder später abstillt. Besser ist es sich an die Empfehlungen der La Leche Liga oder der Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen (AfS) zu halten, die da lauten: ein Baby soll nach Bedarf gestillt werden. Stillen nach Bedarf heißt, das Baby immer dann an die Brust zu legen, wenn es danach verlangt. Bei den so genannten Wachstumsschüben in der 3. Woche, der 6. und um die 12. Woche herum haben Babys einen höheren Energiebedarf und scheinen einfach nicht satt zu werden. Sie saugen dann alle 1-2 Stunden an der Brust. Durch dieses häufige Saugen bildet die Brust der Mutter mehr Milch. Wachstumsschübe dauern in der Regel zwischen einem und drei Tagen. Wird nicht nach Bedarf gestillt, so kommt es meist dazu, dass die Milch der Mutter irgendwann nicht mehr ausreicht.
Bei allen Fragen zum Thema Stillen können Sie sich an Ihre Hebamme oder an eine Stillberaterin wenden. Anspruch auf Hebammenhilfe haben Sie während der gesamten Stillzeit. Nach der Wochenbettzeit genügt ein Rezept über Hebammenhilfe von Ihrem Arzt und schon können Sie weiterhin deren Hilfe in Anspruch nehmen. Stillberaterinnen arbeiten ehrenamtlich und bieten in größeren Städten meist auch Stillgruppen an.
Text: K.L.
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