Dass es keine Selbstverständlichkeit ist, auf Wunsch ein Baby zu zeugen, mussten schon viele Paare schmerzlich erfahren. Wer mehr als ein Jahr ungeschützten Geschlechtsverkehr hat und daraus trotzdem keine Schwangerschaft entstanden ist, könnte durchaus von der Problematik Unfruchtbarkeit betroffen sein. Die Wahrscheinlichkeit, dass es am Mann liegt ist genauso hoch, wie dass die Frau oder gar beide an der Ursache beteiligt sind. Mit einem Unterschied. Frauen reden eher über ihre Probleme und Ängste betreffend der Unfruchtbarkeit, als Männer. Für Männer hingegen ist es immer noch zu oft ein Tabuthema.
Carsten ist 37, seit mehreren Jahren versucht er mit seiner Frau ein Kind zu zeugen. Vergeblich. In seinem Umfeld gibt er zu verstehen, er wolle kein Kind, er sei nicht bereit dafür. "Warum soll ich meine Familie und Freunde über mein Problem informieren. Es ist mein Problem. Sie denken womöglich, ich hab's nicht drauf. Darauf kann ich gern verzichten!" So reden viele Betroffene, aus Angst auf Unverständnis oder lächerliche Reaktionen zu treffen.
Meist wagen die Frauen den ersten Schritt, sich mit dem Thema Unfruchtbarkeit auseinanderzusetzen und konsultieren ihren Gynäkologen. Wurden alle Möglichkeiten betreffs der Unfruchtbarkeit bei der Frau untersucht, ist meist der nächste Schritt, den Partner zu untersuchen. Dafür ist es notwendig, einen Urologen oder einen speziellen Internisten, einen Andrologen, aufzusuchen. Dieser Schritt fällt vielen Männern schwer. Sie sehen es als Eingriff in ihre Privatsphäre. Und dennoch wagen sie ihn: denn der Wunsch ein Kind zu haben, ist oft stärker, als die Ungewissheit. Der Facharzt wird eine umfangreiche Anamnese erstellen und einige Untersuchungen durchführen. Nur so kann er der Ursache auf den Grund gehen und gegebenenfalls etwas dagegen unternehmen.
Unfruchtbarkeit bei Männern - Krampfadern im Hoden
Ursachen für eine Unfruchtbarkeit bei Männern gibt es reichlich. Der Hauptgrund liegt allerdings in der Qualität des Spermas. Womöglich sind die Samenzellen nicht beweglich genug, die
Anzahl ist zu gering oder es treten Abnormitäten auf. Eine geringe Samenanzahl ist nicht gleichbedeutend mit einer Unfruchtbarkeit. Die Wahrscheinlichkeit ein Kind zu zeugen, sinkt nur dadurch. Ein Spermiogramm gibt dem Arzt Aufschluss über diese mögliche Ursache. Anatomische Probleme wie Leistenhoden oder Bauchhoden können ebenfalls zur Unfruchtbarkeit bei Männern führen, wie auch eventuelle Schädigungen, die durch eine Strahlen- oder Chemotherapie entstanden sind. Eine Tastuntersuchung ist hierbei unumgänglich. Infektionen sind eine weiterer Grund für eine Unfruchtbarkeit bei Männern. Nach einer Leistenbruch - OP oder einer früheren Mumpserkrankung ist es ebenfalls nicht ausgeschlossen, dass daraus eine Unfruchtbarkeit resultiert. Mitunter sind die Samenleiter verklebt, so dass das Ejakulat nicht störungsfrei nach draußen kann. In seltenen Fällen kommt es zu einer retrograden Ejakulation, wobei das Sperma nicht zur Penisöffnung sondern zur Harnblase geleitet wird. Krankheiten wie Zucker oder Nervenschädigungen wird der Arzt auch kontrollieren, ebenso eventuelle hormonelle Erkrankungen. Eine Krampfader am Hoden (Varikozele) beeinflusst unter Umständen auch die Zeugungsfähigkeit. Hat der Arzt einen Verdacht auf eine genetische Ursache, wird er ein Karyogramm veranlassen, um genetische Abweichungen ausschließen zu können. Nur selten wird eine Hodenbiopsie notwendig sein. Umwelteinflüsse dürfen auch nicht vernachlässigt werden. Bekannt ist, dass Alkoholmissbrauch und Drogenkonsum, sowie Nikotin selbstverständlich auch Einfluss auf die Zeugungsfähigkeit haben können.
Hat der Arzt die Ursache für die Unfruchtbarkeit gefunden, kann er sie womöglich behandeln und der Kinderwunsch des Paares wird sich vielleicht doch erfüllen. Die moderne Medizin hilft mittlerweile der Natur auch auf die Sprünge. In Vitro Fertilisation, künstliche Insemination und Hormonbehandlungen machen es möglich. Für die Paare, bei denen sich trotzdem keine Schwangerschaft einstellt, ist dies ein herber Schlag. Viele Paare beginnen dann, sich über eine Adoption oder eine Samenspende Gedanken zu machen.
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