Wenn der Storch mehr als ein Baby bringt - Mehrlinge

Infos über Mehrlingsschwangerschaft & Mehrlinge
Foto Mehrlingsschwangerschaft: © Karen Roach
Erfährt eine Frau, dass sie schwanger ist, muss sie sich erst an dass Gefühl gewöhnen. Ist sie es dazu vielleicht noch ungeplant, ist sie gezwungen, sich mit der Tatsache auseinander zu setzen. Und überbringt ihr dann noch der Arzt nach einem Ultraschall die Nachricht, dass zwei oder mehr Kinder unterwegs sind, dann bekommen es die werdenden Mütter auch schon mal mit der Angst zu tun. Verständlich ist dies, keine Frage. Was nun? Viele Veränderungen kommen auf die Familien zu. Ein einzelnes Kind zu bekommen ist schon eine Herausforderung, aber gleich zwei oder mehr, dass gleicht einer Meisterleistung!

Haben die Paare einmal den allerersten Schreck überwunden, freuen sie sich in der Regel über den doppelten Kindersegen. Schließlich ist es doch etwas Besonderes und kommt nicht aller Tage vor. Genauer genommen ist nur jede siebzigste Geburt auch eine Mehrlingsgeburt. Eine der häufigsten Fragen, denen die Schwangeren einfach nicht aus dem Weg gehen können, lautet: Sind sie eineiig oder zweieiig? Finden Sie sich mit dieser Frage ab, auch wenn es Sie nervt, sie zum hundertsten Mal zu beantworten.

Eineiige Zwillinge haben immer das gleiche Geschlecht. Sie entstehen ursprünglich aus nur einer befruchteten Eizelle und haben daher die gleichen Erbanlagen. Nur durchschnittlich ein Drittel der Mehrlingsgeburten betrifft dies. Häufiger sind zweieiige Zwillinge. Sie hingegen entstehen immer aus zwei einzeln befruchteten Eizellen und können das gleiche Geschlecht haben, müssen es aber nicht. Auch Junge und Mädchen können entstehen. Sind Drillinge oder mehr unterwegs, sind es auf keinen Fall eineiige Kinder. Je älter die Mutter wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, Mehrlinge zu gebären. Auch nach Hormonbehandlungen oder bei künstlicher Befruchtung kommen Mehrlinge öfters vor.

Die Mehrlingsschwangerschaft
Mehrlingsschwangerschaften sind immer Risikoschwangerschaften. Dies muss nicht bedeuten, dass auch wirklich Komplikationen auftreten. Im Gegenteil, sehr oft verlaufen sie ohne
größere Schwierigkeiten. Das Risiko auftretender Probleme ist aber erhöht, das kann keiner leugnen. Eine Schwangerschaft mit nur einem Kind strengt bereits an, mit mehreren Kindern wird dem Körper der Frau eine Menge abverlangt. Daher haben auch die werdenden Mütter meist intensiver mit den Schwangerschaftsbeschwerden zu kämpfen, als andere. Bereits sehr zeitig dehnt sich die Gebärmutter aus. Das durchschnittliche Gewicht eines Säuglings von ca. drei Kilogramm zur Entbindung, haben die Zwillinge zum Beispiel bereits gemeinsam in der 24. - 25. Schwangerschaftswoche. Dementsprechend fallen den Frauen ihre Bewegungen deutlich schwerer. Die Babys drücken auf den Magen, was Sodbrennen zur Folge hat. Auch die Lungen werden dadurch eingeengt. Kurzatmigkeit erschwert den Alltag der Schwangeren. Nicht nur die Belastungen für die Mutter sind höher als normal. Auch die der Kinder steigt. Es besteht immer die Gefahr, dass sich ein Kind besser entwickelt als das andere und das Risiko, frühzeitig einsetzender Wehen steigt ebenfalls.

Die Geburt von Mehrlingen muss nicht unbedingt per Kaiserschnitt erfolgen. Liegen zum Beispiel bei Zwillingen beide Babys in Schädellage, kann eine ganz normale spontane Entbindung stattfinden. Bei Steißlage wird jedoch immer mit Kaiserschnitt entbunden. Sprechen Sie ruhig mit den Ärzten darüber, besteht keine Gefahr für die Kinder, steht einer spontanen Entbindung nichts im Wege. Meistens kommen Mehrlinge bereits in der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt. Das ist völlig in Ordnung.

Sie können Ihre Mehrlinge auch Stillen. Es spricht nichts dagegen. Sie können natürlich nicht so einfach die Fütterung an andere abgeben wie bei Flaschenkindern, aber Stillen schafft die besten Voraussetzungen für Ihre Babys. Ganz besonders wenn sie zu früh geboren wurden. Ehrenamtliche Stillberater oder Hebammen helfen Ihnen, dass Thema stillen mit Zwillingen zu meistern.

Bei Mehrlingsgeburten kommen auf die Eltern noch mehr finanzielle Belastungen zu, als es bereits bei einem Kind der Fall ist, zwei Betten, ein Zwillingskinderwagen oder die doppelte Anzahl an Kleidungsstücken. Leider erhalten die Eltern trotzdem nicht unbedingt viel mehr Geld vom Staat. In der Elternzeit erhalten sie einmalig einen Zuschlag von 300,- € je weiterem Kind zum normalen Elterngeld und lediglich das Kindergeld kommt noch hinzu. Ist man bedürftig, kann man Erstausstattungen bei den jeweiligen Behörden oder Gelder bei Stiftungen beantragen.

Die meisten Eltern geben eh schnell auf, ihre Kinder gleich anziehen zu wollen. Kaum haben sie eines angezogen, spuckt sich bereits das zweite voll. Daher bieten sich immer wieder Second
Hand Shops oder Kleiderbörsen für Schnäppchen an. Wenn die Kinder etwas älter werden, möchten sie sowieso meist lieber anders aussehen, als ihr Geschwisterchen. Das gleiche gilt auch für Spielsachen. Nicht alles muss doppelt gekauft werden. Geschwister unterschiedlichen Alters müssen auch lernen, zu teilen. Dies gilt auch für das Kinderzimmer. Erst im Schulalter möchten sich die Kinder auch gern einmal ins eigene Reich zurückziehen können.

Mehrlinge sind etwas Besonderes. Ihre Eltern lieben sie beide gleich, auch wenn das die Kinder vielleicht anders empfinden. Es kommt oft vor, dass ein Kind dominierender ist als dass andere. Das ist in soweit OK, solang keiner darunter leidet. Ansonsten müssen sie als Eltern das schwächere Kind unterstützen. Mit dieser Ausnahme gibt es nicht viele Unterschiede zur Erziehung von Einzelkindern. Mehrlinge werden schneller selbstständig, denn die Eltern können sich nicht zerteilen. Konsequenz ist das Schlüsselwort. Auch wenn sich die Kleinen miteinander gegen die Eltern "verbünden", müssen Sie klare Regeln schaffen. Nehmen Sie auch jede Hilfe von außen an. Sie können sie gebrauchen. Verbringen Sie unabhängig davon ruhig etwas Zeit mit jedem Kind einzeln, solange das der Alltag hergibt. Nur Eltern von Mehrlingen wissen was es heißt, diese großzuziehen. Auch wenn mehrfache Eltern von außen gute Ratschläge erteilen, sie wissen nicht wie es ist, zwei Kinder gleichzeitig im Krabbelalter im Auge zu behalten.

Versuchen Sie immer, Ihre Kinder als einzelne Individuen zu sehen und sie auch so behandeln.