Mehrlinge - Wenn der Storch mehr als ein Baby bringt

Neugeborene Zwillinge
Was ist bei der Mehrlingsschwangerschaft zu beachten? - Foto: © Svetlana Fedoseeva

Die Mehrlingsschwangerschaft

Erfahren Sie hier wie es zu Mehrlingsschwangerschaften kommt, welche Risiken bestehen und wie Sie eine Mehrlingsschwangerschaft erkennen.

Was beachten bei Mehrlingsschwangerschaften?

Insgesamt sind Mehrlingsschwangerschaften ein seltenes Ereignis. Ihre Häufigkeit nimmt jedoch in den letzten Jahren zu. Verantwortlich dafür sind vor allem Kinderwunschbehandlungen. (Künstliche Befruchtung) Für die Eltern sind mit dem Babyglück im Mehrfachpack einige Herausforderungen verbunden.

Die häufigste Form der Mehrlingsschwangerschaft sind Zwillinge - Drillinge, Vierlinge oder gar Fünflinge haben demgegenüber Seltenheitswert. In der medizinischen Literatur und in den Medien tauchen jedoch auch immer wieder Fälle auf, in denen noch mehr Babys gemeinsam das Licht erblicken. Im Oktober 2008 brachte eine Berlinerin Sechslinge zur Welt. Zwei Monate früher hatte eine Frau im ägyptischen Alexandria gesunde Siebenlinge geboren - diese Schwangerschaft galt auch deshalb als medizinische Sensation, weil sie fast bis zum Ende des achten Schwangerschaftsmonats bestand.

Wie kommt eine Mehrlingsschwangerschaft zustande?

Normalerweise reift während des weiblichen Zyklus nur eine einzige Eizelle heran. Bei der männlichen Ejakulation werden 100 bis 600 Millionen Samenzellen freigesetzt, von der nur eine einzige auch die Befruchtung schafft. Welches Spermium in der Lage ist, nicht nur die äußere Eihülle, sondern auch die innere Membran der Eizelle zu durchdringen, beeinflusst diese durch bestimmte biochemische Signale. Danach verändern sich die Struktur sowie die elektrische Spannung der Zellmembran, so dass sie für die anderen Samenzellen undurchdringlich wird.

Eine Mehrlingsschwangerschaft kann auf verschiedenen Wegen zustande kommen. Wenn während eines Zyklus zwei oder mehrere Eizellen reifen und befruchtet werden, bildet sich mit etwas Glück die entsprechende Anzahl von Embryonen. Genetisch stehen sich diese Kinder so nahe wie andere Geschwister - anders als bei eineiigen Zwillingen sind ihre Erbanlagen nicht identisch. Eineiige Zwillinge entstehen, wenn aus einer befruchteten Eizelle in einem sehr frühen Stadium der Zellteilung zwei Embryonen entstehen, deren genetischer Code dann völlig gleich ist. Bei der Entstehung von mehr als zwei Embryonen kommen in der Regel beide Varianten vor.

Mehrere Babys - eine oder mehrere Plazenten

Spannend ist auch die Art und Weise, wie die Einnistung von Mehrlingen in die Gebärmutterschleimhaut erfolgt. Die sogenannte Nidation erfolgt im Verlauf der vierten Schwangerschaftswoche (Wichtig: Aus medizinischer Sicht erfolgt die Berechnung der Schwangerschaftsdauer ab dem ersten Tag der letzten Periode - der Embryo ist jetzt also etwas mehr als eine Woche alt.) Bei den weitaus meisten Mehrlingsschwangerschaften nistet sich jeder Embryo an einer separaten Stelle ein, verfügt also über eine eigene Fruchthöhle und eine eigene Plazenta (Mutterkuchen). Seltener befinden sich zwei oder mehrere Kinder zwar in einer eigenen Fruchthöhle, teilen sich jedoch eine einzige Plazenta. Ein seltener Sonderfall sind Schwangerschaften, in denen sich zwei Embryonen sowohl die Fruchthöhle als auch die Plazenta teilen. Die Folge ist, dass siamesische Zwillinge entstehen.

Wie häufig sind Mehrlingsschwangerschaften?

Mediziner errechnen die Häufigkeit von Mehrlingsschwangerschaften nach der sogenannten Hellin-Regel. Demnach ergibt sich die statistische Häufigkeit aus einer Potenz, die auf der Häufigkeit von Zwillingsschwangerschaften beruht - der Exponent dieser Potenz ist jeweils die Anzahl der Kinder minus eins.

Aus der Hellinschen Berechnung ergeben sich folgende Häufigkeiten von Mehrlingsschwangerschaften:
  • Zwillinge: 1 : 85, ca, 1,2 Prozent
  • Drillinge: 1 : 7.000, ca. 0,01 Prozent
  • Vierlinge: 1 : 600.000, ca. 0,0002 Prozent
  • Fünflinge: 1 : 50.000.000, ca, 0,000002 Prozent
Die tatsächliche Häufigkeit von Zwillingsschwangerschaften mit zweieiigen Zwillingen liegt in Deutschland bei etwa 1 : 55, hier wirken sich Fertilitätsbehandlungen mit Hormonen aus. Deutlich seltener sind Schwangerschaften mit eineiigen Zwillingen, ihre Häufigkeit liegt bei etwa 1 : 150.

Wo liegt die biologische Grenze von Mehrlingsschwangerschaften?

Eine völlig eindeutige Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Berichte über Zehnlinge existieren, wurden medizinisch jedoch nicht bestätigt. Neunlinge kamen in der globalen Medizingeschichte mindestens dreimal vor, jedoch waren die Babys nicht lebensfähig.

Anzeichen einer Mehrlingsschwangerschaft

Eine Frau, die mit Mehrlingen schwanger ist, wird anfangs die gleichen Schwangerschaftssymptome verspüren wie jede andere Schwangere. Unsichere Zeichen dafür, dass mehr als ein Baby unterwegs ist, sind beispielsweise eine sehr hohe Konzentration des Schwangerschaftshormons HCG im Blut oder ein übergroßer Bauchumfang. Sicher nachgewiesen werden kann eine Mehrlingsschwangerschaft durch Ultraschallaufnahmen oder die Aufzeichnung von mindestens zwei Herztönen mit unterschiedlichen Frequenzen.

Einstufung als Risikoschwangerschaft

Eine Mehrlingsschwangerschaft gilt aus medizinischer Sicht grundsätzlich als Risikoschwangerschaft, da es hier häufiger zu Komplikationen kommen kann. Bei Zwillingsschwangerschaften ist oft auch eine natürliche Entbindung möglich, bei allen anderen Mehrlingsschwangerschaften ist ein Kaiserschnitt erforderlich.

Tipps für Eltern von Mehrlingen

Viele Eltern, die erfahren, dass Mehrlinge unterwegs sind, wissen anfangs oft nicht, ob sie sich freuen oder eher erschrecken sollen. Sicher ist: Auf sie kommen viel Arbeit, Organisationsaufgaben, aber auch viel Freude zu. Gut ist, wenn sie sich von Anfang an innerhalb der Familie und des Freundeskreises Unterstützung holen können. Auch der Gesetzgeber hat für die Eltern von Mehrlingen zusätzliche Hilfen vorgesehen.
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Stand: 21.02.2017

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