Die Postnatale Depression

Postnatale Depression bekämpfen
Ein Wellnesstag zur Entspannung hilft auch bei
einer Postnatalen Depression - Foto: © anna

Inhaltsverzeichnis für diesen Artikel:

Eine Postnatale Depression statt nur den Babyblues

Eine Postnatale Depression ist eine ernsthafte und nur zu oft unterschätzte Krankheit.

Es handelt sich dabei nicht nur um die "Heultage", wie im Volksmund die weinerliche Phase der frisch gebackenen Mutter ca. fünf Tage nach der Geburt genannt wird. Diese hält nur einige Tage an und hängt mit der hormonellen Umstellung im Körper der Frau nach der Entbindung zusammen. Frauen sind besonders emotional in dieser Zeit, sind ausgepowert und leicht reizbar. Eine Postnatale Depression (PND) ist viel tief greifender und schwieriger als der so genannte Babyblues, wie diese Phase der Heultage in den USA bezeichnet wird.

Eine PND stellt sich nicht immer direkt nach der Entbindung ein, wie es der Name "Postnatal = Nach der Geburt" vielleicht vermuten lässt. Es kann Wochen oder gar Monate dauern, bis sich ein kaum bemerkbares und leichtes Stimmungstief zu einer richtigen Depression entwickelt hat. Die Gefühle und Stimmungen einer PND sind deutlich intensiver als während des Babyblues. Es ist keine Seltenheit, dass eine Mutter in der ersten Zeit nach der Entbindung ihres Kindes ein überschwängliches Mutterglück empfindet, ihr Kind voll und ganz genießt und irgendwann in ein emotionales tiefes Loch fällt, welches ihr Leben komplett beeinflusst und verändert. Das Ganze geschieht schleichend. Und dies macht es so gefährlich. Vielfach wird eine PND zu spät diagnostiziert. Daher ist es für die Mutter selbst, aber auch für die Angehörigen und Freunde wichtig, die Symptome einer Postnatalen Depression zu kennen und entsprechend handeln zu können. Denn eines ist klar, die Betroffenen brauchen unbedingt Hilfe von Fachleuten. Daher sollte jeder bei dem Verdacht einer PND einen Arzt aufsuchen.

Die Intensität einer Postnatalen Depression ist extrem unterschiedlich. Jede Person reagiert anders, das heißt die PND äußert sich sehr unterschiedlich. Die Einen verspüren lediglich keine Freude am Muttersein, andere Frauen hingegen denken sogar an Suizid.

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Symptome einer Postnatalen Depression können zum Beispiel sein:

  • Gereiztheit: Sie reagieren übermäßig bei Kleinigkeiten und lassen diesen Frust an der Familie und selbst am eigenen Baby aus
  • Weinerlichkeit: Sie fühlen sich immer elend, zu bestimmten Tageszeiten wird dieses Gefühl noch verstärkt
  • Kopfschmerzen
  • Schwindelgefühl
  • Angstgefühle: Sie sind viel ängstlicher als früher, erleiden vielleicht sogar Panikattacken. Sie suchen permanent eine Rückbestätigung durch andere Personen.
  • Gefühl einer Inneren Leere
  • Selbstzweifel: Sie sind der Meinung, dass Sie unfähig sind und suchen die Schuld immer zuerst bei sich selbst.
  • Erschöpfung und Schlaflosigkeit: Obwohl sie ausgepowert sind, können sie nachts schlecht schlafen.
  • Konzentrationsprobleme
  • Sie sind unfähig, Ihr Kind als Ihr eigenes zu empfinden. Vielmehr kommt es Ihnen vor, als würden Sie ein fremdes Kind pflegen.
  • Appetitlosigkeit oder Fressattacken

Ursachen einer PND

Wie es zu einer Postnatalen Depression kommt, ist teilweise noch unklar. Die Wissenschaft ist sich aber darüber einig, dass es mit biochemischen Prozessen im Gehirn der Frau zusammenhängt. Im Zusammenspiel mit hormonellen Veränderungen, sozialen Einflüssen oder psychischen Faktoren sind manche Frauen anfälliger für eine Postnatale Depression als Andere. Haben Frauen bereits früher an Depressionen gelitten, begünstigt dies die Empfänglichkeit für eine PND. Auch traumatische Erlebnisse, wie ein frühzeitiges Versterben der eigenen Mutter im Kindesalter oder eine Frühgeburt des eigenen Kindes können darauf Einfluss nehmen. Ereignen sich im Leben einer Frau einschneidende Ereignisse, wie eine Trennung vom Partner, der Verlust der Arbeit oder mangelnde Akzeptanz der Familie für das neue Baby, verschärft es die Lage weiterhin. Auch wenn eine Frau bei ihrem ersten Kind nicht an einer PND litt, ist es durchaus möglich, dass dies bei nachfolgenden anderen Geburten trotzdem vorkommt. Auch der Umkehrschluss trifft zu. War eine Mutter nach ihrem ersten Kind an PND erkrankt, muss dies nicht unbedingt bedeuten, dass dies bei den nächsten Kindern wieder geschieht. Die Lage ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Haben Frauen bereits eine Postnatale Depression hinter sich, erkennen Sie im Regelfall ein erneutes Auftreten schneller und können dementsprechend auch schneller reagieren.

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Was kann man bei einer diagnostizierten PND unternehmen?

Zunächst einmal, ist es wichtig, dass eine eindeutige Diagnose gestellt wird.

Dies geschieht am besten von einem Arzt. Die Sorge, dass bei einer PND zwangsläufig Antidepressiva eingesetzt werden, ist unbegründet. Auch hier gilt, es wird von Fall zu Fall neu entschieden. Die meisten Frauen entscheiden sich trotzdem bewusst dafür, Antidepressiva einzunehmen. Auch während der Stillzeit ist dies möglich. Ärzte greifen dann zu Mitteln, die ein Abstillen unnötig machen. Halten Sie über einen längeren Zeitraum, mindestens aber sechs Monate, die Dosierung exakt ein, können die Frauen wieder ein geregeltes Leben führen. Bedingung für den Erfolg der Behandlung ist Geduld. Ein zu frühes Absetzen der Medikamente bringt keine Besserung. Aber auch alternative Behandlungsmethoden erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Homöopathie oder eine Bachblütentherapie haben bereits vielen Frauen geholfen, besser mit ihrer Situation umzugehen. Auch eine Psychotherapie ist angebracht. Unterstützend wirkt eine gesunde Ernährung mit vielen Kohlenhydraten und frischem Obst und Gemüse. Die Frauen müssen es lernen, bewusst entspannen zu können, sich eine Auszeit zu nehmen. Und sei es nur mehrfach kurz am Tag. Für besonders gute Leistungen helfen auch kleine Belohnungen, um den Alltag zu erleichtern.

Frauen mit einer PND bedürfen Hilfe. Dabei ist nicht nur kompetente Betreuung durch einen Mediziner erforderlich, sondern auch die Unterstützung durch das eigene soziale Umfeld. Anspornungen wie "Stell dich nicht so an!" helfen dabei gar nicht weiter. Vielmehr hilft der moralische Beistand der betroffenen Frau. Die Kontrolle der akkuraten Medikamenteneinnahme, oder auch der Beistand bei Arzt- und Therapiebesuchen gehören genauso dazu, wie die Aufmunterung im Alltag.

Das einzig Gute an einer Postnatalen Depression ist die Tatsache, dass sie zeitlich begrenzt ist und eine komplette Genesung bei allen Betroffenen erfolgt. Diesen Umstand sollten sich alle Leidtragenden immer wieder vor Augen halten. Dann steht dem Mutterglück und dem Zusammenleben mit dem geliebten Baby nichts mehr im Wege.
Text: C. D.

[Bitte beachten Sie: Unsere Artikel können nicht den Rat eines Arztes ersetzen. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt Ihres Vertrauens!]

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