Nabelschnurblut: ein gefragter Stoff

Babys freuen sich
Was hat es mit dem Nabelschnurblut auf sich? - Foto: © inarik

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Was ist Nabelschnurblut?

Kurz nachdem die werdenden Eltern den positiven Schwangerschaftstest in den Händen halten, drehen sich die Gedanken nur noch um den kleinen Untermieter im Bauch. Durch die Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft wird alles daran gesetzt, mögliche Auffälligkeiten rechtzeitig zu entdecken und bei Komplikationen gezielt handeln zu können. Doch auch nach der Geburt wünschen sich die Eltern natürlich, dass sich ihr Kind bester Gesundheit erfreut und im Falle einer Erkrankung optimal versorgt wird. Die Einlagerung von Nabelschnurblut kann hierbei eine große Hilfe sein.

Im Nabelschnurblut befinden sich die vitalsten und körpereigenen Stammzellen. Sie sind deshalb so wertvoll, weil sie noch nicht auf einen bestimmten Typ festgelegt sind. Man kann sie sich wie einen Bautrupp vorstellen, der verschiedene Reparaturarbeiten durchführt. So können sich Stammzellen zu verschiedenen Gewebe- oder Zelltypen im Körper weiterentwickeln und verbrauchtes oder verletztes Gewebe regenerieren. Es wäre wirklich Verschwendung, dieses ganz besondere Blut nach der Geburt eines Kindes einfach zu entsorgen. Als ideale Stammzellenquelle ist das Nabelschnurblut schon seit vielen Jahren in aller Munde. Wird es direkt nach der Entbindung gewonnen und eingefroren, so kann es auch Jahrzehnte später noch bei bestimmten Erkrankungen eingesetzt werden und so unter Umständen Leben retten.

Pro Nabelschnurblut: Vorteile der Einlagerung

Baby schläft und sieht zufrieden aus
Gut, dass meine Eltern sich um mich kümmern und das Nabelschnurblut einlagern lassen / Foto: © Alexandr Vasilyev

Die vitalen Alleskönner aus dem Nabelschnurblut können so etwas wie eine private Gesundheitsvorsorge für das eigene Kind darstellen. Vor Krankheiten ist kein Mensch gefeit und sollte es doch einmal so weit kommen, dass eine Stammzellentherapie notwendig wird, dann ist es gut, wenn bei einer privaten Nabelschnurbank das Nabelschnurblut eingelagert wurde. Auch bei Erkrankungen von Geschwisterkindern haben die flexiblen Stammzellen bereits Erfolg gebracht. Bisher sind die Stammzellen aus dem Nabelschnurblut ausschließlich für Bluterkrankungen (wie Leukämie), genetische Erkrankungen sowie Stoffwechselerkrankungen zugelassen. Wissenschaftler und Mediziner forschen indes ständig nach neuen Einsatzmöglichkeiten und einige Studien lassen hoffen, dass in Zukunft auch nicht genetisch bedingte Erkrankungen, wie beispielsweise Multiple Sklerose (MS), Alzheimer, Diabetes, Herzinsuffizienz oder Schlaganfall mit Hilfe der Stammzellen aus dem Nabelschnurblut behandelt werden können.

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Contra Nabelschnurblut: Einige kritische Betrachtungen

Es ist unumstritten, dass es sich beim Nabelschnurblut um einen ganz besonderen Stoff mit wertvollen Stammzellen handelt. Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die eingelagerten Stammzellen für das eigene Kind gebraucht werden, relativ gering. Gerade bei Krebserkrankungen favorisieren Mediziner Stammzellen eines fremden Spenders, da man davon ausgeht, dass die körpereigenen Stammzellen die genetische Information der Krankheit ebenfalls in sich tragen. Schon eher können nahe Verwandte, wie etwa Geschwisterkinder, von privat eingelagertem Nabelschnurblut profitieren. Des Weiteren ist zu bedenken, dass das Nabelschnurblut nur eine begrenzte Anzahl an Stammzellen enthält. Sie reichen in der Regel nur zur Behandlung für eine Person mit einem Körpergewicht von höchstens 40 kg aus. Für viele werdende Eltern ist das Einlagern von Nabelschnurblut zudem eine finanzielle Frage. Beträge zwischen 1400 und 2000 Euro werden fällig, wenn das nach der Geburt gewonnene Blut aus der Nabelschnur für 20 Jahre eingefroren und aufbewahrt werden soll.

Alternative: Nabelschnurblutspende

Werdende Eltern sollten wissen, dass es neben der Einlagerung von Nabelschnurblut bei einer privaten Nabelschnurbank auch die Option gibt, das Nabelschnurblut des Kindes zu spenden. Wird dieses bei einer öffentlichen Spenderbank eingefroren, so entstehen dafür keine Kosten. Das Nabelschnurblut steht dann weltweit für kranke Menschen zur Verfügung. Sollte das eigene Kind oder ein Geschwisterkind selbst das eingefrorene Blut benötigen, so haben die Eltern keinen Anspruch auf ihre abgegebene Spende. Besteht jedoch medizinischer Bedarf, so kann eine Anfrage gestellt und das eigene Transplantat angefordert werden. Die Blutbank gibt es dann - falls noch vorhanden - kostenfrei heraus.

Nabelschnurblut einlagern zu lassen ist eine einmalige Möglichkeit. Falls irgendwann in der Zukunft eine Stammzellentherapie notwendig wird, können so die Chancen auf eine optimale Behandlung des eigenen Nachwuchses deutlich erhöht werden. Daher ist es ratsam, sich in der Schwangerschaft gut über dieses Thema zu informieren und dann bewusst eine Entscheidung zu treffen. Hierzu sollten Sie in jedem Fall Ihren Frauenarzt und / oder Ihren Hausarzt konsultieren.
Text: K. L. / Stand: 21.02.2017

Weitere Informationen zum Thema Nabelschnurblut:

[Bitte beachten Sie: Unsere Artikel können nicht den Rat eines Arztes ersetzen. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt Ihres Vertrauens!]

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