Flugangst: Wenn der Traum vom Fliegen zum Albtraum wird

Flugzeug über den Wolken
Flugangstseminare können helfen die Angst vor dem
Fliegen zu bekämpfen - Foto: © Pierre Landry


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Die Angst vor dem Fliegen

Obwohl Fliegen zu den sichersten Fortbewegungsarten zählt, leiden ein Drittel aller Fluggäste unter Flugangst - Schon Stunden, manchmal auch Tage oder Wochen, bevor der Flieger abhebt, bricht einem der Angstschweiß aus und man kann oft nachts schlecht schlafen.

Wer unter Flugangst leidet, fühlt sich seinen Ängsten oft hilflos ausgeliefert. Experten gehen davon aus, dass mindestens ein Drittel aller Fluggäste unter Flugangst (Aviophobie) leiden. Häufige Symptome sind Schweißausbrüche, feuchte Hände, Atemnot, Übelkeit oder auch Durchfall bis hin zu Panikattacken. Aviophobiker - wie Menschen mit Flugangst auch heißen - lassen sich grob in drei Gruppen unterteilen. "Die kleinste Gruppe, etwa sieben Prozent, sind diejenigen, die Angst vor dem Unbekannten haben, meist Erstflieger", erläutert Marc-Roman Trautheim, Flugpsychologe vom Deutschen Flugangst-Zentrum. Weitere 20 Prozent der Betroffenen seien diejenigen, die bereits subjektiv negative Erfahrungen beim Fliegen gemacht haben. "Sie haben schon einmal einen Flug erlebt, der in heftige Turbulenzen geraten ist, oder sie haben Geräusche gehört, die sie nicht einordnen konnten", so Trautmann. Bei der größten Gruppe aber, etwa bei zwei Dritteln der Betroffenen entwickele sich eine schleichende Flugangst, die sich nach und nach verfestige. Unter ihnen seien oft Vielflieger wie Geschäftsleute, so der Experte. "Gerade Menschen, die es gewohnt sind, viele Entscheidungen zu treffen, haben Angst vor dem Gefühl, ausgeliefert zu sein, vor der Kontrollabgabe", sagt der Psychologe. (Weitere Infos über Ängste)

Was hilft gegen Flugangst?

Wird Flugangst nicht behandelt, verstärkt sie sich. "Dann nimmt sie einen in Besitz wie eine Krake", bestätigt der Flugpsychologe Dieter Schiebel von der Firma Flugangst-Service. "Je früher der Angstkreislauf unterbrochen wird, desto eher kann verhindert werden, dass die Flugangst dauerhaft besteht", heißt es auch im Medizinportal Onmeda. Wer beim Abflug zum Cognacgläschen oder zu Betäubungspillen greift, ist schlecht beraten. "Alkohol und Tabletten sind die Verdränger Nummer eins, damit packen Sie das Übel nie an der Wurzel", sagt Schiebel. Auch Experte Trautmann rät von Tabletten ab. "Das ist wie russisches Roulette", sagt der Psychologe. "Die Wirkung solcher Mittel ist an Bord anders als am Boden, die Luft ist dünner, und dadurch ist die Wirksamkeit der Medikamente herabgesetzt." Das wiederum könne zu stärkerer Angst führen. Auch Alkohol wirke in luftigen Höhen eher gegenteilig. Als Last-Minute-Tipp empfiehlt Trautmann, Stress zu vermeiden, möglichst schon am Tag zuvor. Beispielsweise soll man nicht erst auf den letzten Drücker zum Flughafen fahren. Denn: "Stress und Angst gehen immer Hand in Hand." Auch Hörbücher oder Entspannungstechniken können helfen. "Wer in Katastrophengedanken verstrickt ist, sollte sich zuvor Atemtechniken aneignen. Sehr hilfreich ist auch progressive Muskelentspannung nach Jacobson", empfiehlt Experte Schiebel.

Flugangstseminare

Andere Möglichkeiten sind ganze Flugangstseminare - eine Art Crash-Kurs, bei der man mit Hilfe von Experten die Angst überwinden lernt. So ein Kurs dauert 1 - 2 Tage und kostet zwischen 250 und 2500€. Es kommt ganz darauf an, ob Sie ein Seminar mit oder ohne Flug buchen und ob es ein Gruppen- oder Einzelseminar ist. Verbirgt sich hinter der Flugangst aber eine generelle Angststörung oder steigert sich die Flugangst innerhalb eines längeren Zeitraumes, bietet sich eine Psychotherapie in Form einer Verhaltenstherapie an.
Text: juch / Stand: 16.02.2017

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