Essen mit der Familie - altmodisch oder noch immer aktuell?

In früheren Zeiten waren gemeinsame Mahlzeiten im Kreise der Familie gang und gäbe. Man versammelte sich am großen Esstisch in der Küche und es war gar keine Frage, ob alle
Eine Familie beim Pizza essen
Gemeinsame Mahlzeiten machen Spaß
Foto: © WavebreakMediaMicro
Familienmitglieder daran teilnehmen oder nicht. Ganz anders sieht es heute in vielen Familien aus. Durch die unterschiedlichen Arbeitszeiten der Eltern ist es schwierig geworden, die gesamte Family an einen Tisch zu bekommen. Hinzu kommt, dass heute viel mehr Freizeitaktivitäten stattfinden als früher. Da muss der Sohn zum Fußballtraining und die Tochter zum Ballettunterricht gefahren werden. Die Mutter engagiert sich im Schulverein und der Vater geht abends zum Tennis. Solche Voraussetzungen machen es schwierig, gemeinsame Mahlzeiten einzunehmen, da fast immer der eine oder andere aus der Familie außer Haus ist. So ist man geneigt, einfach zwischen Tür und Angel an den Kühlschrank zu gehen und sich schnell einen Snack zu nehmen.

Doch gemeinsame Mahlzeiten sind nach wie vor zu befürworten. Dabei geht es nicht nur primär um die Nahrungsaufnahme, sondern vielmehr darum, die Mahlzeiten als festen Familientreffpunkt wieder in den Alltag zu integrieren. Sicher ist es in vielen Familien unmöglich, wirklich jede Mahlzeit zusammen einzunehmen. Doch es wäre wünschenswert, sich mindestens einmal am Tag gemeinsam am Esstisch zu versammeln. Da mittags die meisten Familienmitglieder bekanntlich nicht zu Hause sind, bietet sich dafür eher die Frühstücks- oder Abendbrotzeit an. Gemeinsame Mahlzeiten fallen niemanden in den Schoß
- man muss schon etwas dafür tun, um diese zu organisieren. So kann es zum Beispiel sein, dass die Mutter am Morgen eben etwas eher aufstehen muss, um mit dem Rest der Familie zu frühstücken. Oder dass der Vater - wenn dies beruflich machbar ist - seinen Arbeitsbeginn etwas nach hinten verschiebt. Diese kleinen Kompromisse lohnen sich wirklich, denn die ganze Familie profitiert von einer gemütlichen Runde am Tisch.

Doch was ist das besondere an gemeinsamen Mahlzeiten?
Ganz einfach: hier trifft sich die ganze Familie und es ist Zeit, um miteinander zu reden. Miteinander und nicht nebenher, wie es leider häufig passiert, wenn jeder nur noch seiner Wege geht und in Hektik dem anderen ein paar Worte zuwirft. Besonders Kinder schätzen es, wenn ihre Eltern endlich mal Zeit haben und ihnen wirklich zuhören. Das Essen selbst sollte in einer angenehmen Atmosphäre stattfinden, denn so fällt es leichter, sich zu entspannen und miteinander zu kommunizieren. Schwerwiegende Probleme sollten allerdings nicht am Esstisch besprochen werden, denn wenn Ärger und Frust dominieren, kann das Essen eigentlich gar nicht schmecken und liegt anschließend nur schwer im Magen. Bahnt sich ein Streit an, so ist es daher besser, das Gespräch auf nach der Mahlzeit zu verschieben.

Neben der Möglichkeit, bei gemeinsamen Mahlzeiten als Familie miteinander ins Gespräch zu kommen, werden den Kindern auch Rituale und Werte vermittelt. Rituale geben Sicherheit und Werte sind so etwas wie ein Leitfaden, an dem man sich entlang hangeln kann, besonders dann, wenn der Sturm des Lebens mal wieder heftig tobt. Gemeinsame Mahlzeiten bedeuten: wir sind uns wichtig! Wir sind gern zusammen und interessieren uns für die Dinge, die uns als Einzelnen und als Familie beschäftigen. Diese Achtung und Wertschätzung prägt von Kindesbeinen an und beeinflusst maßgeblich den weiteren Lebensweg.

Tischmanieren lernen
So ganz nebenbei lernen unsere Kinder bei gemeinsamen Mahlzeiten noch etwas ganz
anderes: nämlich Tischmanieren. Sie orientieren sich an den Großen und übernehmen instinktiv deren Verhaltensweisen. So muss man als Eltern gar nicht mehr soviel reden und erklären, da die Kinder einfach vieles durch Nachahmung lernen. Andererseits bekommen die Kids sofort Feedback, wenn mal etwas nicht so läuft.

Zusammen die Mahlzeiten einzunehmen ist etwas, wofür es sich lohnt zu kämpfen. Haben sich die geselligen Runden am Esstisch erst einmal etabliert, so möchte sie meist niemand mehr missen. So wird die Essenzeit zu einer Zeit, von der die gesamte Familie nachhaltig profitiert.
Text: K. L.

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