Alleinerziehende Väter - eine aussterbende Spezies?

Von wegen! Alleinerziehende Väter sind die am schnellsten wachsende Familienform in
Alleinerziehender Vater mit seinem Sohn
Ein alleinerziehender Vater hat es oft schwer
Foto: © Christian Stoll
Deutschland. Und dennoch: Nur 13 % aller Alleinerziehenden sind Männer. Mit wachsenden Scheidungs- und Trennungsraten geht der Trend aber in die Richtung 20 % Marke (Stand: 2009). Dabei haben die Väter in zweidrittel aller Fälle sogar mehr als ein Kind in der Vaterfamilie. Nach wie vor gilt für viele Familiengerichte die Devise, niemand könne sich besser um ein Kind kümmern, als die Mutter. Es müssen schon triftige Gründe vom Jugendamt und dem Familiengericht präsentiert werden, so dass diese die Mutter als "nicht erziehungsfähig" beurteilen. Daher haben viele Väter den Glauben an die Gerechtigkeit der Gerichte verloren und fühlen sich als Väter diskriminiert.

Hilfe, ich bin alleinerziehender Vater!

Es ist kaum eine Kunst, sein Leben allein geregelt über die Bühne zu bekommen. Ernst wird es, wenn Väter und Mütter außer für sich selbst auch noch für andere Menschen Verantwortung übernehmen müssen. Und gerade die Väter finden sich oft ganz plötzlich in der Rolle des Alleinerziehenden wieder, während Mütter sich eher sehr lang diesen Schritt überlegen und genau Pro und Contra abwägen. Meistens sind es die Väter, die von ihren Frauen verlassen und vor vollendete Tatsachen gestellt werden. (Tipps für verlassene Männer) Ein Schock! Wie soll ich das Alles schaffen? Beruf, Haushalt und Kinder unter einen Hut bringen. Völlig vernunftwidrige Ängste machen sich breit. Wie schaffe ich den Zeitdruck? Was denken die Nachbarn? Zuweilen sind die Ängste aber auch berechtigt. Gerade der beruflichen Karriere sind Kinder nicht unbedingt
dienlich. Das Risiko, seinen Job zu verlieren, steigt ebenso, wie auch die Chance fällt, einen neuen zu finden. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist eben nicht nur für Frauen eine Herausforderung, sondern auch für Männer. Die Väter befürchten weiterhin, keine neue Lebenspartnerin zu finden. Obwohl gerade Frauen auf der Suche nach verantwortungsvollen Männern sind. Abenteuer sind schließlich etwas für eine Nacht. Bodenständige Männer etwas fürs Leben.

Die so genannten Vaterfamilien sind in allen gesellschaftlichen Schichten vertreten. Es gibt keine Differenzierung zwischen Verdienstmöglichkeiten, sozialer Herkunft oder Bildungsniveau. Alleinerziehende Väter finden sich überall wieder. Und doch werden sie von gesellschaftlicher Seite immer noch als Exoten wahrgenommen, wenn man sie überhaupt im Alltag erkennt. Insbesondere Nachbarn und sogar die eigenen Eltern stehen der Sache skeptisch gegenüber. Schafft es ein Mann drei Kinder zu versorgen? Gerade die Aufgaben des sozialen Netzwerks der Kinder und auch des Haushalts fallen traditionsmäßig eher auf die Mütter der Kinder zurück. Gespräche mit den Erziehern in der Kindertagesstätte, Treffen auf dem Spielplatz, dem Sportverein oder Schulveranstaltungen.

Tipps für alleinerziehender Väter

Gerade im direkten Zeitraum nach der Trennung und dem Stehen vor vollendeten Tatsachen haben es die Väter schwer. Sie müssen ihren eigenen Rhythmus finden, den Tag strukturieren und alle Aufgaben, die sie zukünftig allein bewerkstelligen müssen, erfassen. Besonders in dieser Übergangszeit kann es schon einmal chaotisch werden. Das ist in Ordnung. Die Präferenz liegt schlussendlich bei den Kindern. Sie sind das Wichtigste, nicht die perfekt sortierte Wäsche oder das penibel gesäuberte Kinderzimmer. In der ersten Zeit allein mit Papa brauchen die Kinder ganz schlicht weg Liebe, Verständnis und Stabilität. Zweifelsohne darf die Sache nicht ganz aus dem Ruder laufen. Aber erstaunlicherweise nehmen alleinerziehende Väter freiwillig Hilfe von außen an, die ihnen im Besonderen durch Frauen, auch aus der eigenen Familie und von Freunden, angediehen wird.

Alleinerziehender Vater zu sein, ist ein sehr anstrengender Job. Da kann es schnell passieren, dass der Akku leer ist und alles nur noch an den Kräften zehrt. Auch die Väter dürfen bei ihrer neuen Lebenssituation und all der Verantwortung nicht sich selbst vergessen, auch wenn es nicht einfach ist. Zeit für sich, und sei es nur ein wenig, braucht jeder Mensch - auch ein alleinerziehender Vater. Daher sollte man kein schlechtes Gewissen haben, einem Hobby nachzugehen, alte Freunde wiederzuentdecken oder neue zu finden. Wie und ob die Kinder dabei eingebunden werden, hängt natürlich ganz von den Wünschen und Bedürfnissen der Väter ab.

Alleinerziehender Vater zu sein, kann heißen, ganz ungeahnte Fähigkeiten hervorzubringen und neue Möglichkeiten aufgezeigt zu bekommen. Die Zeit und die persönliche engere Bindung, die man mit den Kindern als alleinerziehender Vater gewinnt, sind unersetzlich und unbezahlbar.
Es bedeutet aber nicht, allein bleiben zu müssen. Unter alleinerziehend versteht man schließlich nur, dass lediglich die Mutter des oder der Kinder nicht im Haushalt lebt, nicht aber, dass man keine neue Partnerin findet. (Mehr zum Thema Patchworkfamilie)
Text: C. D.

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