Alt, neu, geliehen und blau - Hochzeitsbräuche sind ein Muss

Aberglaube hin oder her. Selbst Bräute, die nicht abergläubisch sind, greifen an ihrem großen Tag zum blauen Strumpfband. Sicher ist sicher. Man möchte es dann doch lieber nicht darauf
Hochzeitsbräuche wie Reis werfen
Hochzeitsbräuche wie Reis werfen
Foto: © Marco Scisetti
ankommen lassen. Hochzeitsbräuche haben eine ausgiebige Tradition. Sie entwickelten sich über eine lange Zeit, zum Teil regional sehr verschieden und haben doch alle mehr oder weniger den gleichen Zweck: Sie sollen dem Brautpaar Glück und viele Kinder bringen. Die bekanntesten Bräuche haben wir für Sie zusammengefasst:

Der Polterabend
Das Klirren von zerbrechendem Porzellan ist typisch für einen Polterabend. Das laute Scheppern und Knallen soll die bösen Geister vertreiben, die dem Brautpaar schaden wollen. Nicht nur Omas altes Service kann dabei ein jähes Ende finden, es dürfen auch Toilettenschüsseln, Waschbecken oder jegliche andere Artikel aus Porzellan sein. Ein Fauxpas hingegen ist es, Glas zu zerbrechen - es bringt Unglück. Ein weitere Todsünde sind zersplitterte Spiegel, sie bringen dem jungen Brautpaar sieben Jahre Pech.

Der Junggesellenabschied
Vor der Hochzeit feiert der Mann seinen Abschied vom Junggesellendasein ausgiebig mit seinen Freunden. Ob es bei einem Bier in der nächsten Kneipe bleibt, oder dann doch etwas ausgefallener mit Stripperin wird, bleibt den Freunden des Bräutigams überlassen. Was an diesem Abend geschieht, bleibt das Geheimnis des Mannes. Nichtsdestotrotz feiern unterdessen auch die Frauen ordentlich vor der Hochzeit.

Alt, neu, geliehen und blau
Eine lange Tradition besagt: Die Braut soll am Tage ihrer Hochzeit etwas Altes, Neues, etwas Geliehenes und etwas Blaues tragen. Das Alte steht symbolisch für das bisherige Leben der Braut, das Neue für die Zukunft. Das Geliehene beschreibt die Freundschaft und das Blaue - meist das Strumpfband der Braut - ist das Symbol der ewigen Treue.

Die Blumenkinder
Während das Paar zur Trauung schreitet, streuen Kinder vor ihnen den Weg mit Blumen. Sie
sollen die Fruchtbarkeitsgöttin milde stimmen und das Paar mit vielen Kindern segnen.

Der Brautstrauß
Nach der Hochzeit wirft die Braut ihren Brautstrauß über ihre Schulter nach hinten, ohne zu sehen, wer ihn fängt. Alle ledigen Frauen der Hochzeitsfeier stehen hinter ihr, und versuchen den Strauß zu fangen. Die glückliche Fängerin wird dann der Tradition nach, die nächste Braut werden.

Die Brautjungfern
Sie haben eine wichtige Aufgabe am Tag der Trauung. Sie sollen durch ein ähnliches Outfit wie die Braut die bösen Geister in die Irre führen und ein mögliches Unglück verhindern.

Das Werfen von Reis
Vor der Kirche oder dem Standesamt warten die Gäste der Feier darauf, dass das Brautpaar das Gebäude verlässt. Sobald sie rauskommen, werden sie mit Reiskörnern beworfen. Es soll die bösen Geister vertreiben und dem Paar Glück und viele Kinder bescheren.

Die Brautschuhe mit Pfennigen bezahlen
Heute sagt man wohl besser: Cent - Stücke. Früher waren die Menschen oft sehr arm. Um ihre
Hochzeitsbrauch Brautschuhe
Brautschuhe mit Pfennigen zu bezahlen ist ein alter Brauch
Foto: © lina kro
Aussteuer bezahlen zu können, begannen die Mädchen schon in jungen Jahren, Pfennige zu sammeln. Der Zukünftige wusste sofort, wenn seine Frau ihre Schuhe mit Pfennigen bezahlte, dann war sie eine sparsame und verlässliche Frau.

Pfennige in den Schuhen
Der Ehe wird niemals das Geld ausgehen, wenn die Braut am Tag der Hochzeit eine Münze in den Schuhen trägt. Wahrscheinlich ist dies einer der unbequemsten Hochzeitsbräuche.

Der Autokorso
Nach der Trauung auf dem Weg zur Feier wird das Brautpaar von einem Autokorso begleitet, der laut hupend auf die frisch vermählten aufmerksam macht.

Das berühmte Tragen über die Schwelle
Dazu muss man wissen, dass unter der Schwelle der Wohnungs- oder Haustür des glücklichen Paares böse Geister wohnen, die der Braut nichts Gutes wollen. Damit sie nicht mit der Schwelle in Berührung kommt, trägt sie der Mann ins traute Heim.

Der Brautschleier
Er ist natürlich traditionell in weiß gehalten. Weiß steht für die Jungfräulichkeit, mit der die Braut in die Ehe geht - natürlich rein symbolisch versteht sich heutzutage. Erst ab Mitternacht, wenn der neue Tag beginnt, nimmt sie ihn ab und ist ab diesem Zeitpunkt die Frau ihres Mannes.

Der Schleiertanz
Um Mitternacht wird der Schleier der Braut zerrissen, und zwar in viele kleine Stücke. Diese werden dann zuerst an die Brautjungfern verschenkt, und die restlichen an die übrigen Gäste. So sollen sie symbolisch an dem Glück der frisch Vermählten teilhaben.

Die Entführung der Braut
Während der Feier entführt jemand die Braut und bringt sie an einen Ort, den der Bräutigam auch finden kann. Begleitet von einigen Gästen, muss dieser dann seine geliebte Braut wiederfinden. Hat er sie endlich entdeckt, muss er sie freikaufen. Das kann ganz unterschiedlich aussehen. Zum Beispiel kann er ein Ständchen zum Besten geben müssen, zehn Liegestütze machen oder was sonst noch den Entführern an Aufgaben einfällt.

Das Auto mit Dosen verzieren
An die Stoßstange des Brautwagens, oder auch der Kutsche, werden leere Dosen an einer Schnur hängend gebunden. Beim Fahren geben sie unglaublichen Lärm von sich. Er soll - wie soll es anders sein - die bösen Geister vertreiben.

Die Hochzeitstorte
Die Hochzeitstorte ist das Prunkstück einer jeden Hochzeit - mal abgesehen von der Braut.
Ehemann und Ehefrau schneiden sie gemeinsam an. Wieder ist dies ein Symbol von Gemeinsamkeit und Verbundenheit. Vorsicht: Derjenige, der beim Halten des Messers die Hand oben hält, wird das Sagen in der Ehe haben - so besagt es ein alter Brauch.

Das Baumstammsägen
Eine alte Tradition ist es, gemeinsam mit einer Säge einen Baumstamm durchzusägen. Allein ist dies nicht zu schaffen, wie so viele Situationen in der zukünftigen Ehe auch. Gemeinsam sind wir stark.

Streiche spielen
Das schönste für die Gäste einer Trauung ist der Spaß, dem Brautpaar Streiche zu spielen. Das junge Paar darf dabei ruhig in bisschen genervt sein, in der Ehe kommen schließlich auch schwierige Zeiten auf sie zu. Das Bett mit Kronkorken gefüllt, jede Stunde in der Hochzeitsnacht klingelt ein neuer in der Wohnung versteckter Wecker usw.

Ohne Hochzeitsbräuche ist eine Hochzeit nur eine halbe Sache. Und nach vielen Jahren, werden sich alle Gäste und das Brautpaar bei der Goldenen Hochzeit noch daran erinnern, wie es war, als die Braut entführt wurde. Die Blumenkinder haben selbst geheiratet und eigene Kinder bekommen, die vielleicht Blumenkinder bei einer anderen Hochzeit sein durften.


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